Anarcho-Syndikalisten gegen den Faschismus – Jahrbuch 2020 von Syfo – Forschung & Bewegung erschienen

Einen Schwerpunkt des frisch erschienenen Jahrbuchs des Instituts für Syndikalismusforschung bildet die Dokumentation der Analyse und Handlungsempfehlungen der in der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) organisierten anarcho-syndikalistischen ArbeiterInnen gegenüber dem aufsteigenden Faschismus in Deutschland. Erstmals dokumentiert und mit einer Einleitung des Historikers Helge Döhring versehen findet sich die „letzte Broschüre der FAUD“ „Wohin? Was geschieht heute in Deutschland?“ aus dem Jahr 1933. Gerhard Wartenberg, ermordet 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen, analysierte 1930 in der FAUD-Wochenzeitung „Der Syndikalist“ den Ausgang der Reichstagswahlen und den alltäglichen Naziterror. Er propagierte als Antwort auf diesen, den „Kampf bis zum äußersten, bewaffneter Kampf in Gemeinschaft mit anderen klassenkämpferischen Bewegungen des Proletariats, falls der Nationalsozialismus seine bewaffneten Überfälle fortsetzt oder gar zum Putsch übergeht.“

In Interviews sprechen wir mit der 2019 in Deutschland gegründeten anarcha-kommunistischen Organisation „Die Plattform“ über die Situation der anarchistischen Bewegung in Deutschland und die Ziele, Organisationsmethoden und Arbeitsschwerpunkte ihrer Organisation. Mit Gabriel Kuhn konnten wir mit einem Mitglied des Internationalen Komitees der traditionsreichen schwedischen syndikalistischen Gewerkschaft Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) ein Gespräch über die aktuelle Situation führen. Die Themen dabei waren u.a. gesellschaftliche Veränderungen, Mitgliedergewinnung und die Streikfähigkeit der SAC. Mit dem Publizisten, Literaturwissenschaftler und Forscher Wolfgang Haug führten wir ein vertiefendes Gespräch über seine jüngst erschienene Biographie über den Revolutionär, Anarchist und Schriftsteller Theodor Plievier. „Stalingrad“ oder „Des Kaisers Kulis“ sind weltbekannte Werke von ihm. Seine bisherigen Biographen vernachlässigen dagegen Plieviers langjähriges Engagement für den Anarchismus und seine Auftritte als Redner für die FAUD in den 1920er Jahren. Diese Lücke und einiges mehr schließt die Biographie von Wolfgang Haug, wie wir in einer Buchbesprechung herausstellen konnten.

Im Jahr 2020 mussten wir von drei beeindruckenden Persönlichkeiten und uns ans Herz gewachsenen Menschen Abschied nehmen. Wir gedenken unseren Genossen Günther Scharmberg, Lucio Urtubia und unserer Genossin Doris Ensinger.

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Jule Ehms: Revolutionärer Syndikalismus in der Praxis.

Die FAUD und der Versuch syndikalistischer Betriebsarbeit in der Weimarer Republik.

Vortrag am 12. Dezember 2020 – Ab 17.00 Uhr, Veranstalterin: FAU-Bielefeld

Inmitten der revolutionär geprägten Anfänge der Weimarer Republik
gründete sich im Dezember 1919 mit der Freien Arbeiter Union
Deutschlands die erste anarcho-syndikalistische Gewerkschaft im
deutschen Raum. Jule Ehms widmet sich in ihrer Doktorarbeit dieser
Strömung der ArbeiterInnenbewegung und fragt am Beispiel der FAUD,
inwiefern es gelang das offensive gewerkschaftliche Programm des
Syndikalismus in die Betriebe zu tragen. Besonderes Augenmerk ist
hierbei auf die Frage gerichtet, inwiefern die FAUD, nachdem sie ab
1923/24 mit einem gravierenden Mitglieder- und damit auch
Bedeutungsverlust konfrontiert war, an ihren revolutionären Ansprüchen
festhielt oder einen kooperativeren Kurs einschlug.

Weitere Informationen hier:

https://www.facebook.com/fau.bielefeld/?fref=tag

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Aktualisiert: Syndikalismus vor 1918 Bibliographie

Revolutionärer Syndikalismus, Industrialismus und Unionismus bis 1918
Quellen im Internet, Beiträge zu einer Bibliographie

Download, Stand November 2020


Gesammelt von Jonnie Schlichting – und Syfo sagt Danke.

Vorbemerkung zur 4. Fassung (November 2020)


Die Menge des bisher vorliegenden Materials – das in den vergangenen Monaten weiter gewachsen ist – ist mittlerweile so groß, daß eine etwas präzisere thematische Ordnung den Zugang erleichtern könnte. Angelehnt an die Einteilung der Periodika und Protokolle werden die syndikalistischen Schriften grundsätzlich nach den Ländern/Staaten ( Es wird die Staatenbildung, die nach dem 1. Weltkrieg stattfand, zugrunde gelegt) sortiert, in denen sie publiziert wurden; zusätzlich werden sie in der Regel auch unter den Ländern geführt, die sie thematisch behandeln, aus denen die Verfasser stammen oder in denen sie ursprünglich erschienen sind.

Mehrfachnennungen sind also durchaus gewollt. Die sozialdemokratische Literatur bis 1918 erhält eine eigene Abteilung, ebenso die zeitgenössischen akademischen und anderen Schriften. Unter letzteren finden sich durchaus auch sympathisierende Autoren (z.B. Brissenden und Levine). Die neue Sortierung zeigt aber auch, wie groß die Lücken in den digital zugänglichen PrimärQuellen noch sind und welche Staaten/Länder/Regionen bisher nicht oder nur wenig erfaßt wurden.

Ebenso zeigt sich deutlich, daß der Syndikalismus – zumindest was die Propagierung angeht – in allererster Linie eine Männersache war. Und schließlich habe ich auch meine eigenen Grenzen (mal wieder) kennengelernt – nicht zuletzt die mangelnde Sprachkenntnis, die mich sicher eine Menge Material übersehen ließ. Ergänzungen, Kritik und Erweiterungen sind deshalb mehr als willkommen.

J.S.

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Gründung FAUD Meiningen 1919

Mit der „Bakuninhütte“ steht bei Meiningen das wahrscheinlich einzige übriggebliebene anarcho-syndikalistische Baudenkmal. Mitglieder der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) errichteten das Haus in den 1920er Jahren und betreuten es. Beliebt war es als Ausflugsziel für Genossinnen und Genossen aus ganz Deutschland. In der Edition Syfo erschien zur Geschichte der Region und der Bakuninhütte eine Broschüre.

In „Der Syndikalist“ erschien in der Ausgabe Nummer 36 im Sommer 1919 folgender Abschnitt zur Gründung der FAUD in Meiningen:

„Meiningen.

Das freundliche, versonnene Residenzstädtchen des ehemaligen Duodez-Herzogtum hat sich vor Jahresfrist wohl nicht träumen lassen, dass am 27. Juli 1919 bereits eine syndikalistische Organisation die Fahne des herrschaftslosen Kommunismus entfalten und die Bewohner zu einem syndikalistischen Vortrag einladen würde. Bei nur spärlichem Besucht gewiss. Kaum hundert Frauen und Männer nahmen an der Versammlung teil. Doch was soll das besagen? Meiningen war bisher ein sozialpolitisches Dornröschen. Und doch erschienen beim ersten Anruf der Syndikalisten mehr Menschen, wie in manchen Versammlungen der Regierungssozialisten in ihren industriellen ‚Hochburgen’ anwesend sind. Zieht man diese Tatsache in Parallele, dann dürfen unsere Meininger Genossen mit dem ersten Anhieb mehr als zufrieden sein. Und sie werden mit ihrem Erstlingserfolg zufrieden sein. Im Kreise ihrer Genossen reichen sich gereifte Erfahrung und jugendfrische Begeisterung brüderlich die Hände. Schon recken sich ihnen die Arme der Arbeiter aus der Umgebung Meiningens in solidarischem Empfinden entgegen. Der nächste Agitator wird erfahren, was inzwischen von erprobten Genossen und den aufrichtig strebenden neuen Jüngern des Syndikalismus geleistet wird. Eine Anrempelung aus Unwissenheit oder Papageiengeschwätzigkeit geboren, leistete sich ein treuer Diener der neugebackenen sozialdemokratischen ’Werrawacht’. Doch das ist ein besonders zu behandelndes Kapitel, das den Wackeren zu billiger Reue veranlassen muss, sofern diese Gewühlsregung überhaupt noch in ihm rege ist.“

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Fußballmeister Hertha BSC

Fußball als Massensport findet nicht jeder Schick. Das war damals nicht anders als heute. Im „Syndikalist“, der Zeitung der „Freie Arbeiter-Union Deutschlands“ (FAUD), fanden wir aus dem Jahre 1930 den folgenden Artikel, der besonders die Anhänger von Hertha BSC erfreuen, aber allen Fußballbegeisterten etwas abgewinnen wird. Der Verfasser spricht Wahrheiten an, die noch heute gültig sind, wenn man in die Fußballstadien blickt. Arbeiterinnen und Arbeiter pushen ihr Team mit Leidenschaft nach vorne, nehmen hunderte Kilometer für Auswärtsfahrten auf sich, um ihren Klub auch Abseits der Heimstätte anzufeuern, werden oftmals von Polizei schikaniert und geben buchstäblich ihr letztes Hemd, um den Verein zu unterstützen.  Wie viel stärker wäre jedoch die Position der Arbeiter im Klassenkampf, wenn diese Kollegen auch dort dieselbe Leidenschaft und Entschlossenheit an den Tag legen würden?

Institut für Syndikalismusforschung

„Fanatismus

Man schreibt uns aus Berlin über ein Erlebnis folgende Zeilen, die an ein Ereignis anknüpfen, das von der Presse ganz Deutschlands als Riesensensation ausgeschlachtet wurde:

Als ich am Montag, den 23. Juni, abends zufällig auf dem Bahnhof Gesundbrunnen ausstieg, wunderte ich mich über den kolossalen Auflauf von Menschen, der sich vor und in dem Lokal „Atlantik“ (Lichtburg) ansammelte. Nach genauer Prüfung hatte ich bald des Rätsels Lösung. Die Fußballmannschaft des Berliner Vereins Hertha-BSC, welche am vorangegangenen Sonntag in Düsseldorf gespielt und dort die sogenannte „Deutsche Meisterschaft“ im bürgerlichen Sportverband gewonnen hatte, kam zurück zum Vereinslokal, zur Lichtburg.

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Syfo im Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur – Gesendet am 2. Mai 2020 zum Themenstrang Anarcho-Syndikalismus innerhalb der knapp 3stündigen Sendung:

Rolf Cantzen: Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland. Lange Nacht über Anarchismus; im zweiten der drei Sendeblöcke.

hören (klicken unten rechts im bekloppten Bild mit dem Auto)

 

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Großer Erfolg in Wien – Unterstützung muss weiter gehen

Kurz vor dem 1.Mai erreichen uns positive Nachrichten aus Wien. Die Genossinnen und Genossen der Anarchistischen Bibliothek und des Instituts für Anarchismusforschung haben es geschafft neue Räumlichkeiten zu finden und diese zu kaufen. Nach über einem Jahr der Suche und einer intensiven Unterstützungskampagne sind die GenossInnen nun dabei die Räume zu renovieren.

Der neue Standort befindet sich nur wenige hundert Meter von dem alten in der Lerchenberger Straße entfernt. Die GenossInnen schreiben dazu: „die Anarchistische Bibliothek bleibt damit weiter der Stachel im 8. Bezirk“.

Mit den neuen Räumlichkeiten gehen hohe Ansprüche einher. Die neue Bibliothek soll die erste ökologisch klimaneutrale Anarchistische Bibliothek werden. Dafür ist nicht nur viel handwerkliche Arbeit von Nöten, sondern auch finanzielle Unterstützung, um die dafür notwendigen Vorhaben realisieren zu können.

Kurz vor dem 10. Jahrestag ihrer Gründung am 1. Mai 2010 rufen die GenossInnen daher weiterhin zu Spenden auf und sammeln Mittel über eine Crowdfunding-Kampagne.

Das Institut für Syndikalismusforschung unterstützt diese neue Kampagne wie schon zuvor die Spendensammlung für den Kauf der Räumlichkeiten. Die Unterstützung muss weiter gehen und wir alle dürfen jetzt nicht nachlassen. Jeder Cent hilft! Also, unterstützt ein Gedächtnis und Archiv der anarchistischen Bewegung. Unterstützt die Anarchistische Bibliothek in Wien!

Spendenkonto:

Verein zur Förderung libertärer Bibliotheks- und Archivkultur

IBAN: AT78 1400 0108 1000 0703

Bank: BAWAG

Crowdfunding:

https://www.startnext.com/a-bib-wien

Berichte und Bilder zu den neuen Räumlichkeiten und den in Angriff genommenen ökologischen Baumaßnahmen finden sich hier: https://a-bibliothek.org/2020/04/13/a-bib-hat-neue-raeume/

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Neu: „Anarchistische Vereinigung“ um Erich Mühsam

Helge Döhring
Die „Anarchistische Vereinigung“

1923-1933

Band 3 der Anarchismus-Reihe

Die „Anarchistische Vereinigung“ (AV) entfaltete ihre Wirkung in den Jahren 1923 bis 1933 hauptsächlich in Berlin. Unter der Mitwirkung der Persönlichkeiten Erich Mühsam und Rudolf Rocker verstand sie es, klassische Fragen mit dem aktuellen Zeitgeschehen zu verbinden. Mit ihren inhaltlichen Positionen und ihrem Auftreten begab sie sich in scharfen Kontrast zur skandalträchtigen „Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands“ (FKAD). Dagegen kooperierte sie einträchtig mit der syndikalistischen „Freien Arbeiter-Union Deutschlands“ (FAUD). Aus der AV und ihrem Organ FANAL spricht eine Geistesgröße, die in der Geschichte des deutschsprachigen Anarchismus Ihresgleichen sucht.

ISBN 978-3-86841-208-6, 236 Seiten, 20 €

Bestellungen auch über den Verlag Edition AV

Zum organisierten Anarchismus während der Weimrar Republik sind bereits erschien:

Band 1: „Organisierter Anarchismus in Deutschland 1919 bis 1933. Die Föderation kommunistischerAnarchisten Deutschlands (FKAD)

 

Band 2: Anarchisten auf Sinnsuche. Die Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD) 1919-1933 (Kongressberichte und essenzielle Grundlagentexte)

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Revolutionärer Syndikalismus, Industrialismus und Unionismus bis 1918 im Internet

Revolutionärer Syndikalismus, Industrialismus und Unionismus bis 1918 im Internet

Beträge zu einer Bibliographie

Syndikalismus_bis_1918_Literaturliste_Stand_November_2020

Gesammelt von Jonnie Schlichting.

»… in 1905-1914 the Marxist left had in most countries been on the fringe of the revolutionary movement, the main body of Marxists had been identified with a de facto non-revolutionary social democracy, while the bulk of the revolutionary left was anarcho-syndicalist, or at least much closer to the ideas and the mood of anarcho-syndicalism than to that of classical Marxism.«

(Eric Hobsbawm, Bolshevism and the Anarchists (1969); in: ders., Revolutionaries, London ²1994 (Phoenix), S. 61.)

Vorbemerkung zur 3. erweiterten Fassung (Februar 2020)

Seit der Veröffentlichung der zweiten Fassung dieser Liste ist wieder eine Menge an mittlerweile zugänglichem (oder mir bis dahin unbekanntem) Material hinzugekommen. Der neu aufgenommene Begriff »Industrialismus« war – wie ich mittlerweile gelernt habe – bis weit in die 1920er Jahre ein allgemein übliches Synonym für die Industrial Workers of the World (IWW) und vergleichbare Organisationen.

2014 hat die Friedrich-Ebert-Stiftung einen großen Teil der deutschen Gewerkschaftspresse bis 1933 online gestellt, vor allem die Zeitschriften der sozialdemokratischen ›Freien‹ Gewerkschaften (http://library.fes.de/gewerkschaftszeitschrift/). In ihnen wurde dem beunruhigenden ›Phänomen‹ Syndikalismus durchaus Beachtung geschenkt – allein schon, um die Mitgliedschaft davon abzuhalten, auf dumme Gedanken zu kommen. Eine Durchsicht lohnt sich also allemal.

Und natürlich ist auch diese Fassung nur vorläufig …

J.S.

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100 Jahre FAUD – Freie Arbeiter-Union Deutschlands

Ende Dezember benannte sich die syndikalistische Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften auf ihrem 12. Kongress um in:

Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD)

Über ihre Geschichte, Vorgeschichte und Nachgeschichte gibt es im virtuellen Syfo-Museum spannende Ausführungen nebst reichlich Illustrationen:

Geschichte der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland – Ein virtuelles Museum

Zum Thema Anarcho-Syndikalismus allgemein:

Helge Döhring:

Anarcho-Syndikalismus. Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. 228 Seiten – 16 €
ISBN 978-3-86841-143-0

 

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