Vor 100 Jahren

Februar 1922 – Dokumente aus dem Syfo-Archiv:

Aufruf zur Bildung von Berufs- und Industrie-Föderationen.

Kameraden! Genossen!

Zwei Jahre sind bereits verflossen seit den Tagen, wo die deutsche syndikalistische Bewegung auf ihrem 12. Kongreß eine Prinzipienerklärung beschloß, die nicht nur hier im Lande alle klarsehenden Klassenkämpfer, sondern auch in allen Ländern, wo es Revolutionäre gibt, die auf dem Boden des antiautoritären Kommunismus stehen, mit Begeisterung erfüllte. Klar und prägnant wird in der Prinzipienerklärung ausgesprochen, welche Stellung die deutschen Syndikalisten gegen alle Autoritäten wie Staat, Kirche, Zentralapparate und Institutionen auf allen Gesellschafts- und Lebensgebieten einnimmt. Diese Klarheit der Prinzipien hat in allen Ländern der Erde bei unseren Gesinnungsgenossen freudigen Widerhall und Nachachtung gefunden. Trotz dieser Tatsachen ist aber doch zu verzeichnen, daß in Deutschland, dem Lande des Überzentralismus, es ungeheuerlich schwer ist, selbst in Kreisen der schon für die Bewegung Gewonnenen, besonders was die organisatorische Seite betrifft, den Geist der Föderation in der Praxis durchzuführen.

Modell der Arbeitsbörsen der FAUD. Von den 12 angestrebten Industrieföderationen wurden nur 6 verwirklicht.

Es ist daher noch einmal darauf zu verweisen, was die Prinzipienerklärung diesbezüglich sagt!

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Vor 100 Jahren

Januar 1922 – Dokumente aus dem Syfo-Archiv:

An alle Hausfrauen, Mütter und Töchter des Proletariats!

An alle Arbeiterinnen, Hausangestellte und Angestellte in Läden und Büros!

Liebe Schwester!

Sicher drückt auch dich die Not der Zeit. Die Preise aller Lebensmittel sind so hoch, dass wir uns nicht recht sattessen können. Die ach so notwendige Bekleidung können wir uns nicht kaufen, ausreichende Wohnungen können wir nicht finden. Aber du weißt nicht, woher das alles kommt, du hast auch nicht begriffen, wie es anfing, als der schreckliche Krieg ausbrach. Und doch ist es bitter notwendig, daß du dich über die Ursachen unterrichtest, damit es nicht immer noch schlimmer werden kann, und damit wir gemeinsam einen Weg zur Besserung suchen und finden.

“Der Frauen-Bund, Nummer 1/Januar 1922

Wir Frauen und Mädchen zählen weit mehr als die Hälfte der Menschheit. Und trotzdem werden wir doppelt ausgebeutet, einmal von der kapitalistischen Wuchergesellschaft als schaffende und genießende Menschen, als Produzenten und Konsumenten, das andere Mal von der Männerwelt durch die herrschende Männermoral. Und zu allem wirtschaftlichen Elend kommt bei uns Frauen noch die Geschlechtsnot.

Liebe Mitschwester, es kann uns aber niemand sonst helfen als wir uns selbst. Darum fordern wir dich heute auf, dich uns anzuschließen und in unseren Reihen teilzunehmen, am Kampfe für die Befreiung der Frauenwelt! Die Menschheit kann im allgemeinen nicht frei werden, bevor wir Frauen frei sind. Und die Menschheit wird nur frei sein in einer Gesellschaft, die keine Lohnarbeit, keinen Geldbetrug und keine kapitalistische Ausbeutung mehr kennt. In dieser Gesellschaft wird es auch keine regierenden Männer mehr geben.

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2022

Syfo Neujahrsgruß

Auch für das Jahr 2021 möchten wir unseren Kooperationspartnern für Inspirationen und tolle Projekte danken. Besonders von der thematischen Vielfalt sind wir sehr angetan. Denn neben Gewerkschaftsgeschichte und Gedenktraditionen ging es mit anarcho-syndikalistischen Bezügen auch um revolutionäre Kunstmalerei oder um basisdemokratische Innovationen im Bereich Theater; desweiteren um Alkohol und Arbeiterbewegung, Demokratie im Altertum, den Schriftsteller Artur Streiter, um Stadtrundgänge, Kriegsdienstverweigerung im Ersten Weltkrieg, den Syndikalistischen Frauenbund und die Dresdner Aktivistin Aimee Köster, immer wieder um Rudolf Rocker, aber auch um den rumänischen Anarchisten Michael Stanger nebst Übersetzung seiner kurzen spannenden Biographie sowie um die Erinnerungen – „Lager-Knast-Verbannung“ – von Aleksandar Nakoff aus Bulgarien, um die Anarcho-Syndikalisten Arthur Holke (Leipzig) und Robert Saevecke (Bremen), die als Teile unterschiedlicher Ausstellungsprojekte angedacht werden, den Münchner Anarcho-Syndikalisten Benno Scharmanski, der dort künftig im Straßenverzeichnis zu finden sein soll, das Berliner FAUD-Mitglied Walter Schwalba, für den ein Stolperstein gewünscht wird, den antimilitaristischen Theoretiker und Anarcho-Syndikalisten Fritz Oerter, aus Fürth, der bellestristisch aufleben soll, um die Schwedische Zeitung „Arbetaren“, die 100 Jahre jung wird, Augustin Souchy, dessen Autobiographie Wolfgang Haug neu auflegt, und wie immer um die anarcho-syndikalistische Geschichte in verschiedenen Regionen in Deutschland. Zu alledem und mehr könnt ihr uns auch 2022 gerne kontaktieren. Mögen diese Projekte in Erfüllung gehen.

Was gab es 2021 noch? Ach ja, Syndikalismus im Staatslexikon aus dem Hause Syfo.

2022 hoffen wir auf mehr Veranstaltungen, seien es Buchmessen oder Vorträge. Derweil wächst das Syfo-Museum weiter an; mit vielen Originalen und begleitenden Texten zu den Exponaten. Dabei kommt es schon mal zu Verzögerungen, wie ein Verkäufer mit folgenden Worten mitteilte:

„Wie es zufällig passiert: ein Freund von mir sah sich die Buchbestellungen an und bat mich die Rocker Veröffentlichung vor dem Versand noch zu lesen. Bei dem Thema konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen. Das Exemplar erreicht Sie daher erst einige Tage später.“

Euch allen ein glückliches 2022,

Euer Institut für Syndikalismusforschung im Dezember 2021

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Quer denken, gerade leben

Noch vor zwei Jahren kaum zu glauben, dass dieser Buchtitel vermuten lassen könnte, was heute als „Querdenker“ durch die Medien geistert. Lassen wir uns die Begriffe nicht klauen: Querdenken bedeutet nämlich, überhaupt zu denken. Hier liegt eine Autobiograhie vor, die uns begeisterte und von der wir vieles lernen konnten:

Doris Ensinger zur Erinnerung und zum Dank.

Doris Ensinger: Quer denken – gerade leben. Erinnerungen an mein Leben und an Luis Andrés Edo. Deutsche Erstveröffentlichung 2015. Verlag Barrikade, Hamburg 2015. ISBN 978-3-921404-01-0, 20 Euro.

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Interview mit Doris Ensinger

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Rezension zum Organisierten Anarchismus in Deutschland (2021)

Peter Nowak veröffentlichte am 12. Oktober 2021 eine Rezension zur Buchtrilogie „Organisierter Anarchismus in Deutschland“ die 2018-2020 im Verlag Edition AV erschien und von Helge Döhring verfasst wurde. Nowaks Besprechung erschien in der Ausgabe Nummer 61 des Portals „kritisch lesen.de“.

„Mit den drei Bänden, die insgesamt fast 800 Seiten umfassen, widmet sich Döhring der anarchistischen und anarchosyndikalistischen Bewegung der Weimarer Republik.“

Hier gehts zur Rezension

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Rudolf Rocker in Böckingen, 1922

Der international geachtete anarcho-syndikalistische Theoretiker Rudolf Rocker hielt seine Gedanken in einer Fülle von Beiträgen, Broschüren und Büchern fest. Aber auch seine Reden wurden begeistert aufgenommen und nach Veranstaltungen mit ihm traten teils hunderte von Zuhörern spontan in die FAUD (Freie Arbeiter-Union Deutschlands, Anarcho-Syndikalistische Gewerkschaft) ein. Hier ein Bericht aus Böckingen bei Heilbronn:

„Nachklänge zur Versammlung am 25. März 1922 in Böckingen.

Schriften von Rudolf Rocker um 1922

Gleich einer silberklaren Quelle entströmten goldene Worte der Wissenschaft dem Munde unseres beliebten Rudolf Rocker. Er führte die Zuhörer in die höchsten geistigen Regionen der Wissenschaft und der Kunst vom grauen Mittelalter, als die Kunst in höchster Blüte stand, als Städte und kleine Kommunen sich gegenseitig an Meisterwerken der Baukunst, der Tonkunst, der Astronomie, der Geologie und Malerei zu überbieten suchten, bis zum heutigen modernen Klassenstaate, in dem die Errungenschaften aus alter Zeit nicht gepflegt und gefördert, sondern kulturell zerstört und vernichtet werden. In unserer Zeit, wo die Kasernen und Fabrikschlote die höchsten Denkmäler der besitzenden Klasse sind, worin das geknechtete Proletariat gedrillt und bis zum letzten Blutstropfen ausgesogen wird, bleibt dem schaffenden Volke keine Zeit, sich mit Kunst und Wissenschaft zu beschäftigen. Während früher kleine Staaten, z.B. die Griechen, die Römer usw. unzerstörbare Werke der Kunst schufen, an deren Überresten wir heute noch staunend hinaufblicken, ist es das Schicksal des Volkes, im großen modernen Klassenstaate die Geldsäcke einer geldgierigen, vergnügungssüchtigen Minderheit von Schiebern und Spekulanten zu füllen und anstatt aufzublühen, an dieser Last zugrunde zu gehen. Sobald ein Volk von einem Despoten, König, Kaiser, oder wie er sonst heißen mag, regiert wird, werden ihm dessen Launen und Ansichten aufdiktiert; es hat zu tun, was dieser ihm auf gesetzlichem Wege vorschreibt und verliert seinen eigenen Willen.

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Tipp: Übertage Podcasts

Sie sind locker und kommunikativ, greifen wichtige Themen auf und diskutieren das auch noch. Syndikalismus, Anarchismus und soziale Bewegungen. Sie sind offen-kritisch, reden Tacheles und sind dabei einfach gut drauf.

Es geht zum Beispiel um Verschiedenartiges wie Gaming-Kultur, Drogen, Tourismus, Maoismus, aber auch um einfache Grundlagen – jeder Podcast ist informativ, egal, ob man mit dem Thema bereits vertraut ist oder nicht.

Schaut hier rein,

viel Spaß

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Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) gegen Syndikalisten (1922)

Zum Jahr der Gründung der RGI vor 100 Jahren eine Kritik an ihr von Anarcho-Syndikalisten.

Entnommen aus

„Der Syndikalist“, Nr. 31/1922:


Die rote Gewerkschaftsinternationale gegen die Syndikalisten

Das doppelte Spiel, das die Rote Gewerkschafts- Internationale und ihre Agenten im Auslande spielen, ist charakteristisch. Einerseits spricht man von den revolutionären Syndikalisten wie von Waffenbrüdern, mit denen man sich zu einer gemeinsamen Arbeit verständigen kann, andererseits stellt man sie als Feinde des Proletariats dar, als Gegenrevolutionäre, die man entfernen muß.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist image.jpeg.

In der einen Hand den Ölzweig, in der andern das blutige Schwert… In vielen Ländern ist die Bewegung der revolutionären Syndikalisten stark genug, um die dort befindlichen kommunistischen Parteien zu beunruhigen. Man hätte glauben können, daß die Einheitsfront aller Linksorientierten auf der einen Seite, die deutliche Erklärung der Roten Gewerkschafts- Internationale (daß die Syndikalisten ihren brüderlichen Platz in der RGI haben, daß sie ihren Standpunkt verfechten können, und daß deshalb die Bildung einer syndikalistischen Internationale ein Verbrechen gegen die Einigkeit des Proletariats sei…) man hätte glauben können, daß alle diese Zeichen der Freundschaft und Toleranz einen gemeinsamen Kampf beider Tendenzen, der zentralistischen und der föderalistischen, bedeutete, ohne die Notwendigkeit, sich gleichzeitig die Hälse abzuschneiden.

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Theater in Selbstverwaltung? Gespräch auf „Nachtkritik.de“

Wohin will das Theater?

11. Mai 2021. Der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring im Gespräch über Herrschaftskritik, Mitbestimmung und Selbstverwaltung im Theater.

Wie lässt sich Machtmissbrauch am Theater verhindern, das ist eine sehr aktuelle Frage. Es wird über Umstrukturierung gesprochen, Abschaffung von Hierarchien. Könnte das Theater im Zuge dessen nicht aber noch viel mehr, die Kollektivkunst zum Labor der Mitbestimmung werden? Im Gespräch suchen der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring Inspiration in der Theatergeschichte und fragen, ob Theater nicht auch in Selbstverwaltung kollektiv gesteuert werden können.

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Film: Kevin Rittberger über Emma Goldman

Emma Goldman: Hommage à la Commune

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Ein Film von Kevin Rittberger

Aus der Ankündigung:

Eine Koproduktion mit dem Literaturforum im Brecht-Haus im Rahmen der „Brecht-Tage 2021 – FUNKHAUS COMMUNE“

Premiere: 18. März 2021

»Als die US-amerikanische Anarchafeministin Emma Goldman am 18. März 1921, genau 50 Jahre nach dem Beginn der Pariser Kommune, darauf drängt, die rebellierenden KommunardInnen von Kronstadt mit den Bolschewisten an einen Verhandlungstisch zu bringen, dann um die Russische Revolution zu retten. In Kronstadt wie in Paris sieht sie eine sich selbst organisierende Bevölkerung am Werk und weniger eine diktatorisch zu erziehende Arbeiterschaft. Beide Kommunen werden dem Erdboden gleich gemacht, einmal von den Bürgerlichen, das andere Mal von den Bolschewisten. Die Rufe nach einer Rätedemokratie sind bis heute nicht verhallt. Das deutsch-französische Biopic „EMMA GOLDMAN – Hommage à la Commune“ handelt von Goldmans Freundschaft mit Peggy Guggenheim und ihren wichtigsten Begegnungen während des 21 Monate währenden Aufenthalts in Sowjetrussland, u.a. mit Lenin, Gorki, Kollontai und Stanislawski.«

Mit: Ingo Tomi, Olga Mouak, Mareike Hein, Sylvana Seddig, Guillaume Constanza, Frank Büttner, Marie-Lou Sellem, Aram Tafreshian, Lukas Lonski Kamera und Schnitt: Leonie Hahn Mis En Scene (Paris): Adama Anotho, Olga Mouak Im Auftrag von: FUNKHAUS COMMUNE Luise Meier und Flo Thamer ***

Das ganze Programm von FUNKHAUS COMMUNE vom 18.-21. März 2021 kann über den YouTube Channel des Literaturforums im Brecht-Haus angesehen werden.

Film hier

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