2022

Syfo Neujahrsgruß

Auch für das Jahr 2021 möchten wir unseren Kooperationspartnern für Inspirationen und tolle Projekte danken. Besonders von der thematischen Vielfalt sind wir sehr angetan. Denn neben Gewerkschaftsgeschichte und Gedenktraditionen ging es mit anarcho-syndikalistischen Bezügen auch um revolutionäre Kunstmalerei oder um basisdemokratische Innovationen im Bereich Theater; desweiteren um Alkohol und Arbeiterbewegung, Demokratie im Altertum, den Schriftsteller Artur Streiter, um Stadtrundgänge, Kriegsdienstverweigerung im Ersten Weltkrieg, den Syndikalistischen Frauenbund und die Dresdner Aktivistin Aimee Köster, immer wieder um Rudolf Rocker, aber auch um den rumänischen Anarchisten Michael Stanger nebst Übersetzung seiner kurzen spannenden Biographie sowie um die Erinnerungen – „Lager-Knast-Verbannung“ – von Aleksandar Nakoff aus Bulgarien, um die Anarcho-Syndikalisten Arthur Holke (Leipzig) und Robert Saevecke (Bremen), die als Teile unterschiedlicher Ausstellungsprojekte angedacht werden, den Münchner Anarcho-Syndikalisten Benno Scharmanski, der dort künftig im Straßenverzeichnis zu finden sein soll, das Berliner FAUD-Mitglied Walter Schwalba, für den ein Stolperstein gewünscht wird, den antimilitaristischen Theoretiker und Anarcho-Syndikalisten Fritz Oerter, aus Fürth, der bellestristisch aufleben soll, um die Schwedische Zeitung „Arbetaren“, die 100 Jahre jung wird, Augustin Souchy, dessen Autobiographie Wolfgang Haug neu auflegt, und wie immer um die anarcho-syndikalistische Geschichte in verschiedenen Regionen in Deutschland. Zu alledem und mehr könnt ihr uns auch 2022 gerne kontaktieren. Mögen diese Projekte in Erfüllung gehen.

Was gab es 2021 noch? Ach ja, Syndikalismus im Staatslexikon aus dem Hause Syfo.

2022 hoffen wir auf mehr Veranstaltungen, seien es Buchmessen oder Vorträge. Derweil wächst das Syfo-Museum weiter an; mit vielen Originalen und begleitenden Texten zu den Exponaten. Dabei kommt es schon mal zu Verzögerungen, wie ein Verkäufer mit folgenden Worten mitteilte:

„Wie es zufällig passiert: ein Freund von mir sah sich die Buchbestellungen an und bat mich die Rocker Veröffentlichung vor dem Versand noch zu lesen. Bei dem Thema konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen. Das Exemplar erreicht Sie daher erst einige Tage später.“

Euch allen ein glückliches 2022,

Euer Institut für Syndikalismusforschung im Dezember 2021

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Quer denken, gerade leben

Noch vor zwei Jahren kaum zu glauben, dass dieser Buchtitel vermuten lassen könnte, was heute als „Querdenker“ durch die Medien geistert. Lassen wir uns die Begriffe nicht klauen: Querdenken bedeutet nämlich, überhaupt zu denken. Hier liegt eine Autobiograhie vor, die uns begeisterte und von der wir vieles lernen konnten:

Doris Ensinger zur Erinnerung und zum Dank.

Doris Ensinger: Quer denken – gerade leben. Erinnerungen an mein Leben und an Luis Andrés Edo. Deutsche Erstveröffentlichung 2015. Verlag Barrikade, Hamburg 2015. ISBN 978-3-921404-01-0, 20 Euro.

Bestellen

Interview mit Doris Ensinger

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Rezension zum Organisierten Anarchismus in Deutschland (2021)

Peter Nowak veröffentlichte am 12. Oktober 2021 eine Rezension zur Buchtrilogie „Organisierter Anarchismus in Deutschland“ die 2018-2020 im Verlag Edition AV erschien und von Helge Döhring verfasst wurde. Nowaks Besprechung erschien in der Ausgabe Nummer 61 des Portals „kritisch lesen.de“.

„Mit den drei Bänden, die insgesamt fast 800 Seiten umfassen, widmet sich Döhring der anarchistischen und anarchosyndikalistischen Bewegung der Weimarer Republik.“

Hier gehts zur Rezension

Veröffentlicht unter Allgemein, Anarchismus, Besprechungen, Döhring-Helge, FKAD | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Rudolf Rocker in Böckingen, 1922

Der international geachtete anarcho-syndikalistische Theoretiker Rudolf Rocker hielt seine Gedanken in einer Fülle von Beiträgen, Broschüren und Büchern fest. Aber auch seine Reden wurden begeistert aufgenommen und nach Veranstaltungen mit ihm traten teils hunderte von Zuhörern spontan in die FAUD (Freie Arbeiter-Union Deutschlands, Anarcho-Syndikalistische Gewerkschaft) ein. Hier ein Bericht aus Böckingen bei Heilbronn:

„Nachklänge zur Versammlung am 25. März 1922 in Böckingen.

Schriften von Rudolf Rocker um 1922

Gleich einer silberklaren Quelle entströmten goldene Worte der Wissenschaft dem Munde unseres beliebten Rudolf Rocker. Er führte die Zuhörer in die höchsten geistigen Regionen der Wissenschaft und der Kunst vom grauen Mittelalter, als die Kunst in höchster Blüte stand, als Städte und kleine Kommunen sich gegenseitig an Meisterwerken der Baukunst, der Tonkunst, der Astronomie, der Geologie und Malerei zu überbieten suchten, bis zum heutigen modernen Klassenstaate, in dem die Errungenschaften aus alter Zeit nicht gepflegt und gefördert, sondern kulturell zerstört und vernichtet werden. In unserer Zeit, wo die Kasernen und Fabrikschlote die höchsten Denkmäler der besitzenden Klasse sind, worin das geknechtete Proletariat gedrillt und bis zum letzten Blutstropfen ausgesogen wird, bleibt dem schaffenden Volke keine Zeit, sich mit Kunst und Wissenschaft zu beschäftigen. Während früher kleine Staaten, z.B. die Griechen, die Römer usw. unzerstörbare Werke der Kunst schufen, an deren Überresten wir heute noch staunend hinaufblicken, ist es das Schicksal des Volkes, im großen modernen Klassenstaate die Geldsäcke einer geldgierigen, vergnügungssüchtigen Minderheit von Schiebern und Spekulanten zu füllen und anstatt aufzublühen, an dieser Last zugrunde zu gehen. Sobald ein Volk von einem Despoten, König, Kaiser, oder wie er sonst heißen mag, regiert wird, werden ihm dessen Launen und Ansichten aufdiktiert; es hat zu tun, was dieser ihm auf gesetzlichem Wege vorschreibt und verliert seinen eigenen Willen.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Tipp: Übertage Podcasts

Sie sind locker und kommunikativ, greifen wichtige Themen auf und diskutieren das auch noch. Syndikalismus, Anarchismus und soziale Bewegungen. Sie sind offen-kritisch, reden Tacheles und sind dabei einfach gut drauf.

Es geht zum Beispiel um Verschiedenartiges wie Gaming-Kultur, Drogen, Tourismus, Maoismus, aber auch um einfache Grundlagen – jeder Podcast ist informativ, egal, ob man mit dem Thema bereits vertraut ist oder nicht.

Schaut hier rein,

viel Spaß

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) gegen Syndikalisten (1922)

Zum Jahr der Gründung der RGI vor 100 Jahren eine Kritik an ihr von Anarcho-Syndikalisten.

Entnommen aus

„Der Syndikalist“, Nr. 31/1922:


Die rote Gewerkschaftsinternationale gegen die Syndikalisten

Das doppelte Spiel, das die Rote Gewerkschafts- Internationale und ihre Agenten im Auslande spielen, ist charakteristisch. Einerseits spricht man von den revolutionären Syndikalisten wie von Waffenbrüdern, mit denen man sich zu einer gemeinsamen Arbeit verständigen kann, andererseits stellt man sie als Feinde des Proletariats dar, als Gegenrevolutionäre, die man entfernen muß.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist image.jpeg.

In der einen Hand den Ölzweig, in der andern das blutige Schwert… In vielen Ländern ist die Bewegung der revolutionären Syndikalisten stark genug, um die dort befindlichen kommunistischen Parteien zu beunruhigen. Man hätte glauben können, daß die Einheitsfront aller Linksorientierten auf der einen Seite, die deutliche Erklärung der Roten Gewerkschafts- Internationale (daß die Syndikalisten ihren brüderlichen Platz in der RGI haben, daß sie ihren Standpunkt verfechten können, und daß deshalb die Bildung einer syndikalistischen Internationale ein Verbrechen gegen die Einigkeit des Proletariats sei…) man hätte glauben können, daß alle diese Zeichen der Freundschaft und Toleranz einen gemeinsamen Kampf beider Tendenzen, der zentralistischen und der föderalistischen, bedeutete, ohne die Notwendigkeit, sich gleichzeitig die Hälse abzuschneiden.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Theater in Selbstverwaltung? Gespräch auf „Nachtkritik.de“

Wohin will das Theater?

11. Mai 2021. Der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring im Gespräch über Herrschaftskritik, Mitbestimmung und Selbstverwaltung im Theater.

Wie lässt sich Machtmissbrauch am Theater verhindern, das ist eine sehr aktuelle Frage. Es wird über Umstrukturierung gesprochen, Abschaffung von Hierarchien. Könnte das Theater im Zuge dessen nicht aber noch viel mehr, die Kollektivkunst zum Labor der Mitbestimmung werden? Im Gespräch suchen der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring Inspiration in der Theatergeschichte und fragen, ob Theater nicht auch in Selbstverwaltung kollektiv gesteuert werden können.

Weiterlesen hier

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Film: Kevin Rittberger über Emma Goldman

Emma Goldman: Hommage à la Commune

https://cdn.jwa.org/sites/default/files/mediaobjects/eghyde.jpg

Ein Film von Kevin Rittberger

Aus der Ankündigung:

Eine Koproduktion mit dem Literaturforum im Brecht-Haus im Rahmen der „Brecht-Tage 2021 – FUNKHAUS COMMUNE“

Premiere: 18. März 2021

»Als die US-amerikanische Anarchafeministin Emma Goldman am 18. März 1921, genau 50 Jahre nach dem Beginn der Pariser Kommune, darauf drängt, die rebellierenden KommunardInnen von Kronstadt mit den Bolschewisten an einen Verhandlungstisch zu bringen, dann um die Russische Revolution zu retten. In Kronstadt wie in Paris sieht sie eine sich selbst organisierende Bevölkerung am Werk und weniger eine diktatorisch zu erziehende Arbeiterschaft. Beide Kommunen werden dem Erdboden gleich gemacht, einmal von den Bürgerlichen, das andere Mal von den Bolschewisten. Die Rufe nach einer Rätedemokratie sind bis heute nicht verhallt. Das deutsch-französische Biopic „EMMA GOLDMAN – Hommage à la Commune“ handelt von Goldmans Freundschaft mit Peggy Guggenheim und ihren wichtigsten Begegnungen während des 21 Monate währenden Aufenthalts in Sowjetrussland, u.a. mit Lenin, Gorki, Kollontai und Stanislawski.«

Mit: Ingo Tomi, Olga Mouak, Mareike Hein, Sylvana Seddig, Guillaume Constanza, Frank Büttner, Marie-Lou Sellem, Aram Tafreshian, Lukas Lonski Kamera und Schnitt: Leonie Hahn Mis En Scene (Paris): Adama Anotho, Olga Mouak Im Auftrag von: FUNKHAUS COMMUNE Luise Meier und Flo Thamer ***

Das ganze Programm von FUNKHAUS COMMUNE vom 18.-21. März 2021 kann über den YouTube Channel des Literaturforums im Brecht-Haus angesehen werden.

Film hier

Veröffentlicht unter Allgemein, Anarchismus, Biographie | Kommentar hinterlassen

Rudolf Rocker zum Geburtstag

Das Duell Rudolf Rocker gegen Paul Frölich, Bremen, 1919

Ein großes Rededuell ereignete sich in den „Centralhallen“ am 04. Dezember 1919 zwischen dem international hochgeachteten Referenten Rudolf Rocker und Paul Frölich (1884-1953). Letzterer war Mitglied im Parteivorstand der KPD und setzte sich durch seine Schrift „Die syndikalistische Krankheit“ (1919) eingehender mit dem Thema auseinander. Hinsichtlich der Rivalität zwischen Syndikalisten und Kommunisten dürfte der folgende Polizeibericht (eines „Hilfsbeamten“) von Neutralität gekennzeichnet sein, da beide Richtungen vom Staat mit Argusaugen beobachtet wurden:

„Die Versammlung begann um 7 Uhr 40. Anwesend waren gut 300 Mann. Die meisten Besucher waren Arbeiter; ca. 25 Frauen waren ebenfalls anwesend. Referent Rudolf Rocker, Berlin: Der organische Aufbau des Kommunismus. Rocker sprach über die Bewegungen in Frankreich, England, Spanien und Italien. 1789 sei die erste Bewegung in Frankreich gewesen, in England 1825. Rocker führte dann aus, dass die Syndikalisten die stärkste Einheitsorganisation besäßen. Die USP und die KPD zersplitterten sich in vier verschiedene Richtungen und bekämpften sich wie Hund und Katze. […] Die meisten [deutschen Arbeiter] hörten nur auf die Schlagwörter der Führer, ohne nachzudenken, ob es richtig sei. Noske, Ebert & Co. würden als Verräter der Arbeiter verschrien. Man müsse Noske als eine Sumpfpflanze betrachten. Die Revolution am 9. November 1918 betrachtet R[ocker]. nicht als eine Revolution; es sei nur das Hinwegfegen eines morschen Stammes gewesen. Das deutsche Proletariat hätte 1918 die ganze Macht in Händen gehabt. Warum hätte es die Zügel fallen lassen und sich die Macht Stück für Stück abnehmen lassen? Die damaligen Führer hätten nicht gewusst, wie sie die Sache anfassen sollten. Sie hätten nicht vorgearbeitet. Hätte man damals Arbeiterbörsen eingerichtet, die das Wirtschaftsleben fest im Zügel gehalten hätten, dann hätte die Reaktion nicht wieder die Macht in die Hände bekommen. Auf Lebensmittel, Kleidung und Wohnungen hätte man eine Kontrolle ausüben müssen, dann wäre alles anders wie heute. Wucher und Schleichhandel wären dann für immer unterblieben. Rocker sagte, jede Partei wollte erst die Macht haben, um dann von oben nach unten ihre Ideen und Grundsätze zu verwirklichen. Er ist der Meinung, dass alles von unten nach oben gemacht werden müsste. Die Führer der USP und KPD, die jetzt redeten, dass der Kampf auch mit den Waffen geführt werden müsse, wären, wenn es zum Klappen käme, verschwunden und verdrückten sich dann. Nicht mit einem kleinen Putsch, mit Streiks oder Demonstrationen würde man das Ziel erreichen; man müsse versuchen, das Wirtschaftsleben in die Hand zu bekommen. Nach Rocker sprach Frölich von der KPD. Frölich sagte, dass man erst die Macht haben müsse, um alles zu verwirklichen. Eine starke Militärmacht müsse man besitzen. Die Reaktion hätte die Weißgardisten, Spitzel, Gerichte und Zuchthaus für sich. Wenn die Arbeiter versuchen, durch Streik zum Ziele zu kommen, so kämen die Weißgardisten und schlügen auf die Arbeiter ein. Als Beispiel nannte er den Bergarbeiterstreik. Frölich sagt, dass Demonstrationen immer zum Ziele führen. Im November 1918 hätten die Arbeiter nichts verstanden und Bürgerliche auf ihren Posten lassen müssen. Das wäre verkehrt gewesen. Die Bürgerlichen dürften keine solche Posten versehen. Durch starke militärische Macht müsse man die Bürgerlichen zwingen, sich zu fügen. Die Rede des Frölich fand wenig Beifall; um 10 Uhr wurde gefordert, dass er endlich Schluß mache. Dagegen sprach einer der Anwesenden und sagte, dass Redefreiheit sei und jeder sprechen könnte. Frölich sprach dann noch 10 Minuten. Nach ihm sprach ein Syndikalist über die Grundideen des Syndikalismus. Ein Redner der KPD gab zu, dass die Syndikalisten in einzelnen Punkten recht hätten. Man käme doch wohl nur mit Waffengewalt zum Ziele. […] Rocker ging auf die Rede Frölichs ein und sagte, dass er sich darüber wundern müsse, dass ein Kommunist wie Frölich kapitalistische Anschauungen habe. Rocker führte noch an, dass es kein Militär geben würde, wenn es nicht gut bezahlt würde. Wenn die Kapitalisten nicht mehr das Wirtschaftsleben in der Hand hätten, könnten sie das Militär nicht mehr bezahlen und dann würde es keine Soldaten mehr geben. Die Reden des Rocker fanden großen Beifall. Die Versammlung endete um 11.40 p.m.“

Aus:

Frei die Stadt! Bremens syndikalistischer Stadtführer, Institut für Syndikalismusforschung, 2011

Veröffentlicht unter Allgemein, Rocker-Rudolf | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Der ewige Diego (mal was anderes)

Wir schreiben das Jahr 1984, genauer den 16. September. Es ist der Tag, an dem Diego Armando Maradona das Gefühl kennenlernt, das in großen Teilen der italienischen Bevölkerung gegenüber Neapel vorherrscht: den Anti-Meridionalismus. Es ist der erste Spieltag der italienischen Meisterschaft 1984/85 und Maradonas Debut in der Serie A. Neapel reist für das Spiel nach Verona, die Stadt Romeos und Julias, die Stadt des italienischen Wirtschaftswunders und nicht zuletzt die Stadt des „small is beautiful“, wo kleine und sehr kleine Betriebe Handwerk und Bruttoinlandprodukt produzieren und so die sozioökonomische Entwicklung vorantreiben.

Diego verstand sogleich, dass es in Neapel um weitaus mehr als nur um Fußball geht: „Sie haben uns mit einem Transparent empfangen, das mir mit einem Schlag zu verstehen gab, dass das Spiel von Neapel über Fußball hinausgeht: ‚Willkommen in Italien‘ stand darauf. Es ging um einen Kampf des Nordens gegen den Süden, der Rassisten gegen die Armen.“

Die Lega Nord, die Partei, die heute von Matteo Salvini angeführt wird, und die sich durch ihren anti-meridionalistischen Rassismus auszeichnet, entsteht zwar erst 1989, nicht aber der Rassismus gegen die Süditaliener*innen. In den Stadien Norditaliens ist es Tradition, Neapel, die wichtigste Mannschaft Süditaliens, und ihre Fans mit Transparenten zu empfangen, die den Vesuv besingen – den Vulkan, dessen Ausbruch Pompei zerstörte – und mit Chören, die die Neapolitaner*innen als „Cholera-Erreger*innen“ betiteln und sie auffordern, sich zu waschen.

Neapel in den 1980er Jahren

Für viele Italiener*innen war Neapel die Stadt der Cholera und der Erdbeben. Tatsächlich hat die Stadt das Stigma der Cholera-Epidemie von 1973 und des Erdbebens von 1980 nie überwunden. Die Cholera hatte zwar nur einige dutzend Tote gefordert, doch das Image der

Weiterlesen hier

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen