100 Jahre FAUD – Freie Arbeiter-Union Deutschlands

Ende Dezember benannte sich die syndikalistische Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften auf ihrem 12. Kongress um in:

Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD)

Über ihre Geschichte, Vorgeschichte und Nachgeschichte gibt es im virtuellen Syfo-Museum spannende Ausführungen nebst reichlich Illustrationen:

Geschichte der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland – Ein virtuelles Museum

Zum Thema Anarcho-Syndikalismus allgemein:

Helge Döhring:

Anarcho-Syndikalismus. Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. 228 Seiten – 16 €
ISBN 978-3-86841-143-0

 

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Syfo Neujahrsgruß 2020

Liebe Freundinnen und Freunde des Instituts,

das Jahr 2019 geht zu Ende und wir blicken auf 12 Monate zurück, in denen die kapitalistische Seuche sich weiter ausgebreitet hat und die Menschen in ihrer Existenz bedroht: Das Bundesverfassungsgericht hat Hartz-IV-Sanktionen offiziell als zulässig erklärt. Leiharbeit und Werkverträge werden zur Normalität. Großunternehmen wie Siemens, Audi und die Deutsche Bank machen mit Massenentlassungen Schlagzeilen. Ganz zu schweigen von der Klimakatastrophe, aus der die Unternehmer mit vermeintlich grünen Alterativen noch Kapital schlagen. Dass parlamentarische Alternativen höchstens in der Lage sind, diese Probleme zu verschieben, zeigen Klimapaket, Mietpreisbremse & Co.

Immer mehr Menschen tragen ihren Unwillen über die gesellschaftliche Situation nach außen. Aber das vergangene Jahr hat wieder mal gezeigt: Wenn es beim Appell an die Politik bleibt, versickert die Initiative im Sand. Etwas verändern können wir nur, wenn wir selbst die Ruder in die Hände nehmen! Deshalb sind wir mehr denn je überzeugt, dass der Anarcho-Syndikalismus der richtige Weg ist aus der Krise heraus – in Richtung einer selbstbestimmten, gerechten und freien Gesellschaft!

Wir vom Institut für Syndikalismusforschung wollen diesen Weg historisch flankieren. Wie sind wirtschaftliche Kämpfe erfolgreich? Wie organisieren wir uns nachhaltig? Und wie stärken und vergrößern wir schließlich die Bewegung? Diese Fragen versuchen wir mit unserer Arbeit zu beantworten, um Anarcho-Syndikalistinnen und -Syndikalisten heute in ihren Aktivitäten zu unterstützen.

Dazu waren wir auch 2019 wieder unterwegs. Um Rudolf Rockers Leben und seine Ideen ging es beim Vortrag „Kultur spottet dem Diktat“ in Kaiserslautern. Dort unternahm Syfo auch eine „Europareise durch die Freiheit“ und beleuchtete freiheitlich-sozialistische Phasen aus unserer Geschichte. 100 Jahre Freie Arbeiter-Union Deutschland feierten wir mit einem Vortrag in Neustadt an der Weinstraße. Auch die Zerschlagung der Bremer Räterepublik jährte sich zum 100. Mal und wir beteiligten uns mit einer Rede an der Gedenkveranstaltung des „Syndikalistischen Neustarts“ in Bremen. In Bielefeld widmeten wir uns mit dem Vortrag „Anarcho-Syndikalismus als Einheit von Forschung und Bewegung“ der Forschungsarbeit und wie sie heute von Nutzen sein kann.

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Syfo-Forschung & Bewegung – Jahrbuch 2019 erschienen

Für diese Ausgabe des Syfo-Jahrbuchs konnten wir fundierte Gastbeiträge gewinnen. Dabei setzen wir den Schwerpunkt mit Doris Ensinger auf den Anarcho-Syndikalismus in Spanien. Sie lebt seit über 40 Jahren in Spanien und geht insbesondere der Geschichte der „Mujeres libres“ nach, einer 1936 gegründeten anarcho-syndikalistischen Frauenorganisaton mit bis zu 20.000 Mitgliedern.

Einen spannenden Teil jüngster Geschichte der Reorganisation des Syndikalismus in Russland nach 1991 streift Ewgeniy Kasakow in einem Nachruf auf Vasilij Starostin. Und zum wiederholten freudigen Male bietet uns Wolfgang Haug einen historischen Beitrag, diesmal zu Emma Goldmans Kontakten nach Deutschland. Rund um den Globus geht die Reise bis nach Bangladesh, wo wir aktive Anarcho-Syndikalisten interviewten.

Von uns gibt’s mal wieder einige Besprechungen, sowohl mit dem Schwerpunkt Russland zu den Personen Nestor Machno und Maria Nikiforova als auch mit regionaler Geschichte aus Deutschland zu den FAUD-Persönlichkeiten Wilhelm Schroers (Delmenhorst) und Richard Thiede (Leipzig). Weitere Gedenknotizen betreffen Berthold Cahn (Berlin), Willi und Erna Paul (Kassel), Fritz Oerter (Fürth) und Dieter Gebauer. Letzterer fuhr den Spanischen Historiker Abel Paz für zahlreiche internationale Vorträge mit dem Auto quer durch Europa. Der Toten leider nicht genug, verstarb jung an Jahren mit „Schmutz“ ein schillernder Aktivist der frühen FAU im Stuttgarter Raum.

An die noch Lebenden wandten wir uns im vergangenen Jahr mit einigen Veranstaltungen, u.a. in Bielefeld, Bremen, Jena, Kaiserslautern und in Wien. Vielleicht sehen und hören wir uns künftig in weiteren Städten, kontaktiert uns. Die Themenvielfalt könnt ihr den Veranstaltungsberichten in diesem Jahrbuch entnehmen.

Syfo – Forschung & Bewegung Nr.9-2019

124 Seiten, 10 Euro.

ISBN: 978-3-86841-243-7

Zu beziehen in jeder Buchhandlung oder direkt über den Verlag Edition AV.

Inhaltsverzeichnis

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Rezension „Anarcho-Syndikalismus“ Einführung

Rezension im Anarchistischen Radio Berlin Januar 2018 (Min. 43,07 – 48,54)

Hier

ISBN 978-3-86841-143-0 – 228 Seiten – 16 €

„Und jetzt noch eine Rezension zu Helge Döhrings Buch „Anarcho-Syndikalismus“. Wir wollen euch jetzt eine Neuerscheinung aus dem Bereich des politisch-historischen Sachbuchs vorstellen. Helge Döhring veröffentliche Ende letzten Jahres ein Buch mit dem Titel Anarcho-Syndikalismus und dem Untertitel „Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung“.

Helge Döhring ist ein Autor und Mitbegründer des Instituts für Syndikalismusforschung und hat bereits eine beträchtliche Anzahl von Werken zur syndikalistischen Bewegung publiziert. Widmeten sich seine früheren Werke spezifischen Aspekten, Strömungen oder Epochen der Bewegung, so hat er mit „Anarcho-Syndikalismus“ eine umfassende historische Analyse erarbeitet. Wer sich jedoch denkt: Toll, eine Einführung! Das schenke ich einer Kollegin oder einem Kollegen zum Geburtstag, damit sie endlich mal über ihren Klassenstandpunkt nachdenkt, der sollte vielleicht besser zu einer anderen Lektüre greifen. Das Werk kommt nicht glänzend und propagandistisch daher, wie etwa die Publikationen vom Crimethink-Kollektiv, sondern ist der Form nach eine nüchterne, wissenschaftliche Abhandlung.

Im Gegensatz zu Publikationen, die eine reine historische Spurensuche nach syndikalistischen Kämpfen antreten, verbindet Helge eine historische Betrachtung mit theoretischen Diskursen und einer Analyse von Erfolgen und Misserfolgen anarcho-syndikalistischer Organisation. Dafür beschränkt sich der Fokus fast ausschließlich auf die Geschehnisse aus dem Umfeld der Ersten Internationalen und dann der anarcho-syndikalistischen Internationale IAA. Die Zielgruppe sind LeserInnen aus dem deutschsprachigen Raum. Für eine außereuropäische Perspektive verweist Helge zum Beispiel auf das Werk „Black Flame“ von Lucien van der Walt. Wirft man einen Blick in die übersichtliche Gliederung des Buches, finden sich neben einem einleitenden Kapitel zu Begriff und Zielvorstellungen ein historischer Überblick, der die Theorie und Praxis der Gewerkschaftsbewegung folgen. Die politische Dimension findet sich davon getrennt im folgenden Abschnitt, in dem einige Schlüsselfragen besprochen werden, etwa das Verhältnis zum Staat, aber auch zu anderen sozialistischen Strömungen wie dem Marxismus.

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Neustadt/Weinstraße: 100 Jahre Freie Arbeiter-Union Deutschlands

Montag, 09.09.2019; 19:00 Uhr
In der Bibliothek des Anarchiv; Friedrichstraße 36/Ökohof, 67433 Neustadt an der Weinstraße:

Im Kampf für eine freie Gesellschaft, gegen die Ausbeutung von Menschen durch Menschen, gründete sich 1919 die erste anarcho-syndikalistische Gewerkschaft in Deutschland. Schon bald entwickelte sich die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) zur größten und einflussreichsten freiheitlich-sozialistischen Arbeiterorganisationen der 1920er Jahre. Mit unzähligen Arbeitskämpfen, kulturellen Institutionen, einer breit aufgestellten Presse und Kampfgruppen gegen den Faschismus prägten die SyndikalistInnen der FAUD die Weimarer Zeit und sind Orientierungspunkt und Vorläufer der heutigen syndikalistischen Bewegung.

Syndikalismus-Experte Helge Döhring vom Institut für Syndikalismusforschung gibt Einblicke in Vorgeschichte, Entwicklung, Höhepunkte und Scheitern der FAUD.

Veranstalterin: FAU-Kaiserslautern

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Klasse: FANAL digitalisiert!

FANAL ist eine der gehaltvollsten deutschsprachigen anarchistischen Zeitschriften aller Zeiten. In den Jahren 1926 bis 1931 wurde sie von Erich Mühsam herausgegeben. Und das aktuell schönste: Die anarchistische Bibliothek in Wien macht alles online zugänglich! Das FANAL ist unerläßlich für die Forschung und auch für die Schulung und Schärfung des eigenen Geistes. Danke an die fleißigen Aktivisten der Anarchistischen Bibliothek in Wien. Hier die bisherigen Jahrgänge:

1. Jahrgang

2. Jahrgang

4. Jahrgang

3. Jahrgang

5. Jahrgang

In dieser Sache wichtig: Die Anarchistische Bibliothek BRAUCHT RAUM! ~

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Anarchie und Selbstbestimmung – Erinnerungen an Joachim Domann „Schmutz“

Ein Selbstbildnis von Schmutz 2018

In der Nacht vom 18. auf den 19. Mai 2019 ist im Alter von 50 Jahren Joachim Domann, besser bekannt unter seinem Spitznamen Schmutz, in Stuttgart gestorben. In der Stadt am Neckar war er vielen Menschen durch sein extravagantes Äußeres bekannt. Man traf ihn auf Punk- und Indykonzerten, im „Schlesinger“, bei nicht-kommerziellen Festivals wie dem Umsonst und Draußen und zuletzt auch bei Kunstausstellungen und Vernissagen. Ein gefühlvoller Nachruf von Uwe Bogen in der Stuttgarter Zeitung vom 1. Juni 2019 würdigt ihn als „Paradiesvogel“ und lässt den Wirt und Kunstfreund Bernd Heidelbauer zu Wort kommen, der einst in New York lebte und Schmutz in High Heels und Strapsen in der Stuttgarter Straßenbahn kennenlernte. Beide Männer freundeten sich an. „Solche Typen wie ihn habe ich selbst in New York nicht gesehen“ sagt er. Zuletzt arbeitete Schmutz mit einer Stuttgarter Fotografin an einem Projekt zum Thema Fetisch. Sie dürfte damit der Mensch sein, der die letzten Bilder von Schmutz angefertigt hat. Auf seinem Facebook-Profil zeigte er sich selbst gerne in den unterschiedlichsten erotischen Outfits und Posen.

Doch Schmutz war nicht nur ein Zerstörer von bürgerlichen Konventionen im Interesse eines freien und selbstbestimmten Lebens. In den frühen 1990er Jahren gehörte er zu den aktivsten anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Genossen Stuttgarts. Aufgewachsen in einem Heim kam er durch die Buchempfehlung eines Erziehers zum Anarchismus und schloss sich 1990 der damals kleinen Gruppe der anarcho-syndikalistischen Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) an. Hier lernten wir uns kennen und schätzen und in den nächsten Jahren verging keine Woche ohne gemeinsame Aktivitäten. Am Aufstieg des Anarchismus in Stuttgart zu dieser Zeit hat Schmutz durch seine offene, bestimmte und freundliche Art seinen Anteil. Schmutz gehörte zu den zuverlässigsten Genossen und war Gründungsmitglied der 1990 gebildeten Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) Stuttgart, die wenig später mehrere dutzend Angehörige in der Stadt und dem Umland umfasste und in den sozialen und politischen Auseinandersetzungen wirkte.

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