Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) gegen Syndikalisten (1922)

Zum Jahr der Gründung der RGI vor 100 Jahren eine Kritik an ihr von Anarcho-Syndikalisten.

Entnommen aus

„Der Syndikalist“, Nr. 31/1922:


Die rote Gewerkschaftsinternationale gegen die Syndikalisten

Das doppelte Spiel, das die Rote Gewerkschafts- Internationale und ihre Agenten im Auslande spielen, ist charakteristisch. Einerseits spricht man von den revolutionären Syndikalisten wie von Waffenbrüdern, mit denen man sich zu einer gemeinsamen Arbeit verständigen kann, andererseits stellt man sie als Feinde des Proletariats dar, als Gegenrevolutionäre, die man entfernen muß.

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In der einen Hand den Ölzweig, in der andern das blutige Schwert… In vielen Ländern ist die Bewegung der revolutionären Syndikalisten stark genug, um die dort befindlichen kommunistischen Parteien zu beunruhigen. Man hätte glauben können, daß die Einheitsfront aller Linksorientierten auf der einen Seite, die deutliche Erklärung der Roten Gewerkschafts- Internationale (daß die Syndikalisten ihren brüderlichen Platz in der RGI haben, daß sie ihren Standpunkt verfechten können, und daß deshalb die Bildung einer syndikalistischen Internationale ein Verbrechen gegen die Einigkeit des Proletariats sei…) man hätte glauben können, daß alle diese Zeichen der Freundschaft und Toleranz einen gemeinsamen Kampf beider Tendenzen, der zentralistischen und der föderalistischen, bedeutete, ohne die Notwendigkeit, sich gleichzeitig die Hälse abzuschneiden.

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Theater in Selbstverwaltung? Gespräch auf „Nachtkritik.de“

Wohin will das Theater?

11. Mai 2021. Der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring im Gespräch über Herrschaftskritik, Mitbestimmung und Selbstverwaltung im Theater.

Wie lässt sich Machtmissbrauch am Theater verhindern, das ist eine sehr aktuelle Frage. Es wird über Umstrukturierung gesprochen, Abschaffung von Hierarchien. Könnte das Theater im Zuge dessen nicht aber noch viel mehr, die Kollektivkunst zum Labor der Mitbestimmung werden? Im Gespräch suchen der Autor Kevin Rittberger und der Anarchismusforscher Helge Döhring Inspiration in der Theatergeschichte und fragen, ob Theater nicht auch in Selbstverwaltung kollektiv gesteuert werden können.

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Film: Kevin Rittberger über Emma Goldman

Emma Goldman: Hommage à la Commune

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Ein Film von Kevin Rittberger

Aus der Ankündigung:

Eine Koproduktion mit dem Literaturforum im Brecht-Haus im Rahmen der „Brecht-Tage 2021 – FUNKHAUS COMMUNE“

Premiere: 18. März 2021

»Als die US-amerikanische Anarchafeministin Emma Goldman am 18. März 1921, genau 50 Jahre nach dem Beginn der Pariser Kommune, darauf drängt, die rebellierenden KommunardInnen von Kronstadt mit den Bolschewisten an einen Verhandlungstisch zu bringen, dann um die Russische Revolution zu retten. In Kronstadt wie in Paris sieht sie eine sich selbst organisierende Bevölkerung am Werk und weniger eine diktatorisch zu erziehende Arbeiterschaft. Beide Kommunen werden dem Erdboden gleich gemacht, einmal von den Bürgerlichen, das andere Mal von den Bolschewisten. Die Rufe nach einer Rätedemokratie sind bis heute nicht verhallt. Das deutsch-französische Biopic „EMMA GOLDMAN – Hommage à la Commune“ handelt von Goldmans Freundschaft mit Peggy Guggenheim und ihren wichtigsten Begegnungen während des 21 Monate währenden Aufenthalts in Sowjetrussland, u.a. mit Lenin, Gorki, Kollontai und Stanislawski.«

Mit: Ingo Tomi, Olga Mouak, Mareike Hein, Sylvana Seddig, Guillaume Constanza, Frank Büttner, Marie-Lou Sellem, Aram Tafreshian, Lukas Lonski Kamera und Schnitt: Leonie Hahn Mis En Scene (Paris): Adama Anotho, Olga Mouak Im Auftrag von: FUNKHAUS COMMUNE Luise Meier und Flo Thamer ***

Das ganze Programm von FUNKHAUS COMMUNE vom 18.-21. März 2021 kann über den YouTube Channel des Literaturforums im Brecht-Haus angesehen werden.

Film hier

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Rudolf Rocker zum Geburtstag

Das Duell Rudolf Rocker gegen Paul Frölich, Bremen, 1919

Ein großes Rededuell ereignete sich in den „Centralhallen“ am 04. Dezember 1919 zwischen dem international hochgeachteten Referenten Rudolf Rocker und Paul Frölich (1884-1953). Letzterer war Mitglied im Parteivorstand der KPD und setzte sich durch seine Schrift „Die syndikalistische Krankheit“ (1919) eingehender mit dem Thema auseinander. Hinsichtlich der Rivalität zwischen Syndikalisten und Kommunisten dürfte der folgende Polizeibericht (eines „Hilfsbeamten“) von Neutralität gekennzeichnet sein, da beide Richtungen vom Staat mit Argusaugen beobachtet wurden:

„Die Versammlung begann um 7 Uhr 40. Anwesend waren gut 300 Mann. Die meisten Besucher waren Arbeiter; ca. 25 Frauen waren ebenfalls anwesend. Referent Rudolf Rocker, Berlin: Der organische Aufbau des Kommunismus. Rocker sprach über die Bewegungen in Frankreich, England, Spanien und Italien. 1789 sei die erste Bewegung in Frankreich gewesen, in England 1825. Rocker führte dann aus, dass die Syndikalisten die stärkste Einheitsorganisation besäßen. Die USP und die KPD zersplitterten sich in vier verschiedene Richtungen und bekämpften sich wie Hund und Katze. […] Die meisten [deutschen Arbeiter] hörten nur auf die Schlagwörter der Führer, ohne nachzudenken, ob es richtig sei. Noske, Ebert & Co. würden als Verräter der Arbeiter verschrien. Man müsse Noske als eine Sumpfpflanze betrachten. Die Revolution am 9. November 1918 betrachtet R[ocker]. nicht als eine Revolution; es sei nur das Hinwegfegen eines morschen Stammes gewesen. Das deutsche Proletariat hätte 1918 die ganze Macht in Händen gehabt. Warum hätte es die Zügel fallen lassen und sich die Macht Stück für Stück abnehmen lassen? Die damaligen Führer hätten nicht gewusst, wie sie die Sache anfassen sollten. Sie hätten nicht vorgearbeitet. Hätte man damals Arbeiterbörsen eingerichtet, die das Wirtschaftsleben fest im Zügel gehalten hätten, dann hätte die Reaktion nicht wieder die Macht in die Hände bekommen. Auf Lebensmittel, Kleidung und Wohnungen hätte man eine Kontrolle ausüben müssen, dann wäre alles anders wie heute. Wucher und Schleichhandel wären dann für immer unterblieben. Rocker sagte, jede Partei wollte erst die Macht haben, um dann von oben nach unten ihre Ideen und Grundsätze zu verwirklichen. Er ist der Meinung, dass alles von unten nach oben gemacht werden müsste. Die Führer der USP und KPD, die jetzt redeten, dass der Kampf auch mit den Waffen geführt werden müsse, wären, wenn es zum Klappen käme, verschwunden und verdrückten sich dann. Nicht mit einem kleinen Putsch, mit Streiks oder Demonstrationen würde man das Ziel erreichen; man müsse versuchen, das Wirtschaftsleben in die Hand zu bekommen. Nach Rocker sprach Frölich von der KPD. Frölich sagte, dass man erst die Macht haben müsse, um alles zu verwirklichen. Eine starke Militärmacht müsse man besitzen. Die Reaktion hätte die Weißgardisten, Spitzel, Gerichte und Zuchthaus für sich. Wenn die Arbeiter versuchen, durch Streik zum Ziele zu kommen, so kämen die Weißgardisten und schlügen auf die Arbeiter ein. Als Beispiel nannte er den Bergarbeiterstreik. Frölich sagt, dass Demonstrationen immer zum Ziele führen. Im November 1918 hätten die Arbeiter nichts verstanden und Bürgerliche auf ihren Posten lassen müssen. Das wäre verkehrt gewesen. Die Bürgerlichen dürften keine solche Posten versehen. Durch starke militärische Macht müsse man die Bürgerlichen zwingen, sich zu fügen. Die Rede des Frölich fand wenig Beifall; um 10 Uhr wurde gefordert, dass er endlich Schluß mache. Dagegen sprach einer der Anwesenden und sagte, dass Redefreiheit sei und jeder sprechen könnte. Frölich sprach dann noch 10 Minuten. Nach ihm sprach ein Syndikalist über die Grundideen des Syndikalismus. Ein Redner der KPD gab zu, dass die Syndikalisten in einzelnen Punkten recht hätten. Man käme doch wohl nur mit Waffengewalt zum Ziele. […] Rocker ging auf die Rede Frölichs ein und sagte, dass er sich darüber wundern müsse, dass ein Kommunist wie Frölich kapitalistische Anschauungen habe. Rocker führte noch an, dass es kein Militär geben würde, wenn es nicht gut bezahlt würde. Wenn die Kapitalisten nicht mehr das Wirtschaftsleben in der Hand hätten, könnten sie das Militär nicht mehr bezahlen und dann würde es keine Soldaten mehr geben. Die Reden des Rocker fanden großen Beifall. Die Versammlung endete um 11.40 p.m.“

Aus:

Frei die Stadt! Bremens syndikalistischer Stadtführer, Institut für Syndikalismusforschung, 2011

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Der ewige Diego (mal was anderes)

Wir schreiben das Jahr 1984, genauer den 16. September. Es ist der Tag, an dem Diego Armando Maradona das Gefühl kennenlernt, das in großen Teilen der italienischen Bevölkerung gegenüber Neapel vorherrscht: den Anti-Meridionalismus. Es ist der erste Spieltag der italienischen Meisterschaft 1984/85 und Maradonas Debut in der Serie A. Neapel reist für das Spiel nach Verona, die Stadt Romeos und Julias, die Stadt des italienischen Wirtschaftswunders und nicht zuletzt die Stadt des „small is beautiful“, wo kleine und sehr kleine Betriebe Handwerk und Bruttoinlandprodukt produzieren und so die sozioökonomische Entwicklung vorantreiben.

Diego verstand sogleich, dass es in Neapel um weitaus mehr als nur um Fußball geht: „Sie haben uns mit einem Transparent empfangen, das mir mit einem Schlag zu verstehen gab, dass das Spiel von Neapel über Fußball hinausgeht: ‚Willkommen in Italien‘ stand darauf. Es ging um einen Kampf des Nordens gegen den Süden, der Rassisten gegen die Armen.“

Die Lega Nord, die Partei, die heute von Matteo Salvini angeführt wird, und die sich durch ihren anti-meridionalistischen Rassismus auszeichnet, entsteht zwar erst 1989, nicht aber der Rassismus gegen die Süditaliener*innen. In den Stadien Norditaliens ist es Tradition, Neapel, die wichtigste Mannschaft Süditaliens, und ihre Fans mit Transparenten zu empfangen, die den Vesuv besingen – den Vulkan, dessen Ausbruch Pompei zerstörte – und mit Chören, die die Neapolitaner*innen als „Cholera-Erreger*innen“ betiteln und sie auffordern, sich zu waschen.

Neapel in den 1980er Jahren

Für viele Italiener*innen war Neapel die Stadt der Cholera und der Erdbeben. Tatsächlich hat die Stadt das Stigma der Cholera-Epidemie von 1973 und des Erdbebens von 1980 nie überwunden. Die Cholera hatte zwar nur einige dutzend Tote gefordert, doch das Image der

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Register für alle Syfo-Jahrbücher 2011-2020-download

Bevor das Jahrbuch des Instituts für Syndikalismusforschung – „Syfo-Forschung & Bewegung“ – mit seinem Gesamtvolumen von über 1.200 Seiten abtritt, haben wir ein umfangreiches Register erstellt. Von allen zehn Ausgaben der Jahre 2011 bis 2020 zusammengetragen gibt es einen Index, aufgeteilt nach

  1. Personen,
  2. Orten,
  3. Organisationen/Zeitschriften und
  4. Rezensionen.

So leicht und punktgenau als möglich sollt ihr beispielsweise Rudolf Rocker oder Alfred Biolek, Barcelona oder Helgoland, die CNT-E oder die Anarcho-Skins-Stuttgart auffinden können. Desweiteren haben wir die Besprechungen externer Bücher und Broschüren aus den Rubriken „Besprechungen“, „Fundstücke“ und „Literarisches“ aufgelistet. Denn das Jahrbuch sahen wir stets auch als Nachschlagewerk, als Hilfe und Animation zum Weiterforschen. Daher ist es sinnvoll, sich zügig in den Ausgaben zurechtzufinden. […]

„Syfo – Forschung & Bewegung“ sagt Tschüß. (es gibt ein Nachfolgejahrbuch)

Bei Fragen oder anderweitigen Gesprächswünschen wendet euch gerne an uns.
Viel Spaß beim Suchen und Forschen wünscht euer


Institut für Syndikalismusforschung, Bremen im Dezember 2020

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Syfo Neujahrsgruß 2021

Liebe Freundinnen und Freunde des Instituts,

ein Archiv ist nicht ansteckend, zwei oder drei davon auch nicht, Bücher sind es nicht und nicht der Computer. Auch nicht Post verschicken oder Blog aktualisieren, Material austauschen und dergleichen mehr. Syfo geht’s also gut. Es könnte so beruhigend sein.

Aber was ist mit den schönen Büchermessen, den Veranstaltungen, auf denen wir euch kennen lernen durften? Kurzarbeit, Entlassungen, Wirtschaftskrisen und komische Kleinbürger, denen die CDU nicht radikal genug ist. Das Verheizen von Pflegepersonal und anderen prekär Beschäftigten in Risikoindustrien und auf dem Weg dorthin im öffentlichen Nahverkehr. Wer kann es sich leisten, wegen Husten „krankzumachen“? Seit Jahrzehnten kaputtgespart – Tote. Gleichzeitig machen bestimmte Unternehmen und Kapitalisten Profite wie niemals zuvor. Die Welt war schon vor Corona ungerecht und bedurfte des grundsätzlichen Wandels. Mit Corona ist dies noch einmal deutlicher geworden.

Vielleicht wird aber nicht nur dies in die Geschichte eingehen: Denn viele Menschen helfen einander ohne auf den Staat zu vertrauen und ohne je einen Klassiker gelesen zu haben. Unzählige Beispiele zeugen davon: Einkaufshilfen, Maskennähen, und bei allem körperlichen Abstandhalten eben KEIN social distancing!

Was blieb sonst im Jahr 2020? Syfo hatte nur wenige Auftritte, unter anderem im Mai als Interviewpartner im „Deutschlandradio Kultur“. Dennoch waren wir fleißig:

Für alle Ausgaben unseres Jahrbuchs „Syfo-Forschung & Bewegung“ erstellten wir ein umfangreiches Register, und zwar nach Personen, Orten und Organisationen/Zeitschriften. Über 1.200 Seiten Jahrbuch sollen damit für unsere suchenden Leserinnen und Leser zügig zu erschließen sein. Wir veröffentlichen das Register online. Das 2020 erschienene Syfo-Jahrbuch ist zugleich das letzte seiner Art. Dafür wird’s etwas anderes geben, lasst euch überraschen, mehr dazu steht in eben diesem Jahrbuch.

Im Frühjahr 2020 hat die „Anarchistische Vereinigung“ endlich ihre eigene Monographie erhalten. Wozu sonst sollten Erich Mühsam und seine Getreuen sich den Hintern aufgerissen haben? Diese kleine Organisation beschränkte sich fast nur auf Berlin und überstand ein paar wenige Jahre bis 1933. Aber sie war ungeheuer geistreich, setzte sich aus den besten Denkern des deutschsprachigen Anarchismus zusammen und ist selbst schon ein Klassiker für sich!

„Konflikte und Niederlagen des Syndikalismus in Deutschland“ ist der Titel eines Buches aus dem Hause Syfo, das 2021 beim Verlag Edition AV erscheinen soll. Es beleuchtet in einzelnen Aufsätzen die Widrigkeiten, die seit Entstehung der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert etappenweise dazu führten, den Syndikalismus in Deutschland bis 1945 vollständig zu vernichten. Eine Buchvorschau gibt es hier.

Wer zum Syndikalismus vor 1918 forscht, den verweisen wir mit Freude auf unseren nimmermüden Genossen Jonnie Schlichting, der seine Bibliographie zum Thema stetig erweitert, danke! Download hier.

Desweiteren wollen wir die Edition Syfo, unserer Broschürenreihe, weiter auffüllen: Es geht um die FAUD und um Berlin. Außerdem wächst unser „Syfo-Museum“ mit echten historischen Exponaten zum Anfassen und stöbern nebst erläuternden Texten. Wir sind gespannt, wo und wie wir es künftig zur Entfaltung kommen lassen können.

Kommt gut durch diese Zeit und helft einander weiterhin.

Euer Institut für Syndikalismusforschung (Syfo), Bremen im Dezember 2020

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Anarcho-Syndikalisten gegen den Faschismus – Jahrbuch 2020 von Syfo – Forschung & Bewegung erschienen

Einen Schwerpunkt des frisch erschienenen Jahrbuchs des Instituts für Syndikalismusforschung bildet die Dokumentation der Analyse und Handlungsempfehlungen der in der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) organisierten anarcho-syndikalistischen ArbeiterInnen gegenüber dem aufsteigenden Faschismus in Deutschland. Erstmals dokumentiert und mit einer Einleitung des Historikers Helge Döhring versehen findet sich die „letzte Broschüre der FAUD“ „Wohin? Was geschieht heute in Deutschland?“ aus dem Jahr 1933. Gerhard Wartenberg, ermordet 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen, analysierte 1930 in der FAUD-Wochenzeitung „Der Syndikalist“ den Ausgang der Reichstagswahlen und den alltäglichen Naziterror. Er propagierte als Antwort auf diesen, den „Kampf bis zum äußersten, bewaffneter Kampf in Gemeinschaft mit anderen klassenkämpferischen Bewegungen des Proletariats, falls der Nationalsozialismus seine bewaffneten Überfälle fortsetzt oder gar zum Putsch übergeht.“

In Interviews sprechen wir mit der 2019 in Deutschland gegründeten anarcha-kommunistischen Organisation „Die Plattform“ über die Situation der anarchistischen Bewegung in Deutschland und die Ziele, Organisationsmethoden und Arbeitsschwerpunkte ihrer Organisation. Mit Gabriel Kuhn konnten wir mit einem Mitglied des Internationalen Komitees der traditionsreichen schwedischen syndikalistischen Gewerkschaft Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) ein Gespräch über die aktuelle Situation führen. Die Themen dabei waren u.a. gesellschaftliche Veränderungen, Mitgliedergewinnung und die Streikfähigkeit der SAC. Mit dem Publizisten, Literaturwissenschaftler und Forscher Wolfgang Haug führten wir ein vertiefendes Gespräch über seine jüngst erschienene Biographie über den Revolutionär, Anarchist und Schriftsteller Theodor Plievier. „Stalingrad“ oder „Des Kaisers Kulis“ sind weltbekannte Werke von ihm. Seine bisherigen Biographen vernachlässigen dagegen Plieviers langjähriges Engagement für den Anarchismus und seine Auftritte als Redner für die FAUD in den 1920er Jahren. Diese Lücke und einiges mehr schließt die Biographie von Wolfgang Haug, wie wir in einer Buchbesprechung herausstellen konnten.

Im Jahr 2020 mussten wir von drei beeindruckenden Persönlichkeiten und uns ans Herz gewachsenen Menschen Abschied nehmen. Wir gedenken unseren Genossen Günther Scharmberg, Lucio Urtubia und unserer Genossin Doris Ensinger.

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Jule Ehms: Revolutionärer Syndikalismus in der Praxis.

Die FAUD und der Versuch syndikalistischer Betriebsarbeit in der Weimarer Republik.

Vortrag am 12. Dezember 2020 – Ab 17.00 Uhr, Veranstalterin: FAU-Bielefeld

Inmitten der revolutionär geprägten Anfänge der Weimarer Republik
gründete sich im Dezember 1919 mit der Freien Arbeiter Union
Deutschlands die erste anarcho-syndikalistische Gewerkschaft im
deutschen Raum. Jule Ehms widmet sich in ihrer Doktorarbeit dieser
Strömung der ArbeiterInnenbewegung und fragt am Beispiel der FAUD,
inwiefern es gelang das offensive gewerkschaftliche Programm des
Syndikalismus in die Betriebe zu tragen. Besonderes Augenmerk ist
hierbei auf die Frage gerichtet, inwiefern die FAUD, nachdem sie ab
1923/24 mit einem gravierenden Mitglieder- und damit auch
Bedeutungsverlust konfrontiert war, an ihren revolutionären Ansprüchen
festhielt oder einen kooperativeren Kurs einschlug.

Weitere Informationen hier:

https://www.facebook.com/fau.bielefeld/?fref=tag

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Aktualisiert: Syndikalismus vor 1918 Bibliographie

Revolutionärer Syndikalismus, Industrialismus und Unionismus bis 1918
Quellen im Internet, Beiträge zu einer Bibliographie

Download, Stand November 2020


Gesammelt von Jonnie Schlichting – und Syfo sagt Danke.

Vorbemerkung zur 4. Fassung (November 2020)


Die Menge des bisher vorliegenden Materials – das in den vergangenen Monaten weiter gewachsen ist – ist mittlerweile so groß, daß eine etwas präzisere thematische Ordnung den Zugang erleichtern könnte. Angelehnt an die Einteilung der Periodika und Protokolle werden die syndikalistischen Schriften grundsätzlich nach den Ländern/Staaten ( Es wird die Staatenbildung, die nach dem 1. Weltkrieg stattfand, zugrunde gelegt) sortiert, in denen sie publiziert wurden; zusätzlich werden sie in der Regel auch unter den Ländern geführt, die sie thematisch behandeln, aus denen die Verfasser stammen oder in denen sie ursprünglich erschienen sind.

Mehrfachnennungen sind also durchaus gewollt. Die sozialdemokratische Literatur bis 1918 erhält eine eigene Abteilung, ebenso die zeitgenössischen akademischen und anderen Schriften. Unter letzteren finden sich durchaus auch sympathisierende Autoren (z.B. Brissenden und Levine). Die neue Sortierung zeigt aber auch, wie groß die Lücken in den digital zugänglichen PrimärQuellen noch sind und welche Staaten/Länder/Regionen bisher nicht oder nur wenig erfaßt wurden.

Ebenso zeigt sich deutlich, daß der Syndikalismus – zumindest was die Propagierung angeht – in allererster Linie eine Männersache war. Und schließlich habe ich auch meine eigenen Grenzen (mal wieder) kennengelernt – nicht zuletzt die mangelnde Sprachkenntnis, die mich sicher eine Menge Material übersehen ließ. Ergänzungen, Kritik und Erweiterungen sind deshalb mehr als willkommen.

J.S.

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