Vor 100 Jahren

Juni 1922 – Dokumente aus dem Syfo-Archiv

Die nationalistische Pest [Kritik am Kino]

Um den Geist des Militarismus am Leben zu erhalten, wird von den „königstreuen Republikanern“ alles unternommen. Die von den Steuern der Arbeiterschaft bezahlte Reichswehr dient dazu, um militaristische Filme herzustellen, die dann den Arbeitern als geistige Nahrung dargeboten werden. Nicht nur der Film Fredericus Rex soll das Hohenzollerntum in Deutschland wieder populär machen, sondern auch folgende andere Filme, die von der dem sozialdemokratischen Innenminister Köster unterstehenden Behörde genehmigt wurden. Diese Filme sind: „Die siegreichen Heere Deutschlands und Oesterreichs und die Heere unserer Feinde“, 1. Teil, „Bei einer Artillerie-Flieger-Abteilung während der großen Frühjahrsoffensive 1917“, „Herstellung der Minenwerferrohre“, „Pionierwerkstätten an der Westfront“, „Hinter der Front in Wolhynien“, „Bei den Feldluftschiffern“.

Das Unternehmen, von dem alle diese Filme finanziert werden, heißt „Deutsche Lichtbildgesellschaft“. Dieser Gesellschaft gehören folgende Männer der Politik und „deutschen“ Wissenschaft an: Stresemann, Hugenberg, Stinnes usw.

Die Arbeiter und die Teile des Volkes, die sich diese Filme ansehen, tragen nicht nur dazu bei, den Geist des Monarchismus in Deutschland wieder zu stärken, sondern sie unterstützen auch die Großkapitalisten. Sie machen Stinnes noch reicher als er ist; denn die Profite kommen der „Deutschen Lichtbild-Gesellschaft“ zugute.

Wir fordern die Arbeiter und alle freidenkenden Menschen auf, den Besuch der Kinos, in denen derartige Filme aufgeführt werden, zu meiden. Aber nicht nur passiver Boykott genügt zur Bekämpfung der furchtbaren Gefahr, die uns droht. Die Arbeiter müssen auch aktiv durch Sabotage der Kinos diese nationalistische Pest bekämpfen.

Bisher ist immernoch der Nationalismus und der Kapitalismus weit aktiver als die Arbeiterschaft. Die erste Voraussetzung des Sieges der Arbeiterklasse ist ein aktiveres Eingreifen in die politischen und wirtschaftlichen Zustände des Landes.

Nur wenn die Arbeiterschaft von einem stärkerem Angriffsgeist gegen das heutige Unrecht, gegen die Barbaren des Krieges, gegen die Hyänen und Blutsauger ergriffen sein werden, kann die gegenwärtige Gesellschaft des Unrechts und der Unkultur gestürzt werden.

Aus: „Der Syndikalist“, Nr. 22/1922

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