Thomas Müntzer

Sonderseite des Instituts für Syndikalismusforschung zum „Reformationsjahr“ 2017

Thomas Müntzer500 Jahre Reformation – 500 Jahre Martin Luther?

So wollen es die staats- und kapitaltreuen Propagandisten von heute. Und sie werden dieses Ereignis mit Pomp und Gloria inszenieren, als habe es keine andere Geschichte gegeben. Luther, der Vernunftmensch, der auch mal derb sein durfte, Luther, der die Welt veränderte und sich für die sozialen Belange der Armen einsetzte – sein eiserner Besen wird peinlich verschwiegen. Luther, der in seinen Predigten und Taten Maß hielt, im Sinne eines heuchlerischen Klassenfriedens aller Menschen – arm und reich. Luther, der Prototyp des modernen Sozialdemokraten.

Doch zu allen Zeiten gab es Menschen, die es ehrlich meinten mit sozialen Umwälzungen und dafür ihr Leben gaben:

500 Jahre Reformation – 500 Jahre Thomas Müntzer!

Eine Broschüre des Instituts für Syndikalismusforschung mit dem Titel

„500 Jahre Thomas Müntzer! Gedenken an Thomas Müntzer und seine Mitstreiter der Deutschen Bauernkriege 1524-1526“

kann bestellt werden beim Medienvertrieb Syndikat-A

Nr. 7 der Edition Syfo/Herausgegeben vom Institut für Syndikalismusforschung/Postfach 140470, D-28094 Bremen, Email: institut@syndikalismusforschung.info

  1. Auflage: Juni 2016

Präsentiert und Besprochen wurde die Broschüre in:

Gaidao„, Nr. 68, September 2016

Graswurzelrevolution„, Nr. 413, November 2016

 

Hintergründe über die „Lutherverehrung“ 2017  inklusive Extrafeiertag gibt es hier

gottlosinbremen

03. August 2016:

564_0Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen
Erstmals in heutigem Deutsch mit Originaltext und Begriffserläuterungen Luthers judenfeindliche Schriften, Band 1
Herausgegeben von Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling

Zweite, korrigierte Auflage

 

347 Seiten, kartoniert, Euro 20.-,ISBN 978-3-86569-196-5,erschienen 2016

Mit Martin Luther hat die Evangelische Kirche ein erhebliches Problem: der Reformator war ein wirkmächtiger Judenhasser. Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch Von den Juden und ihren Lügen von 1543 in makabrer Weise hervor. Darin entwickelt er sein berüchtigtes Sieben-Punkte-Programm zur Beseitigung des Judentums in Deutschland:

• Verbrennen ihrer Synagogen
• Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung
• Wegnahme ihrer religiösen Bücher
• Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe
• Aufhebung der Wegefreiheit
• Zwangsenteignung
• Zwangsarbeit

Hatte der Philosoph Karl Jaspers also Recht, als er bemerkte: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“?

Diese Ausgabe stellt erstmals Luthers Originaltext einer werkgetreuen Übertragung in heutiges Deutsch gegenüber – ergänzt durch eine Einführung und 200 Begriffserläuterungen. Dies ermöglicht es, die fatale Wirkung des Reformators zur Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa zu erkennen.

 

08.10.2016

Thomas Müntzer – Festspiele in Bad Frankenhausen am Kyffhäuser [1931]

An den Säulen prangen Plakate mit obiger Angabe und Einladung. Beim Lesen des Plakates taucht urplötzlich die Frage auf: Seit wann veranstaltet die bestehende herrschende Gesellschaft Festspiele für revolutionäre, rebellische Gestalten der Geschichte? Während das gesamte kulturelle Leben in eine der bestehenden Gesellschaft genehme Zwangsform gepresst wird, wo kein freies Wort, keine freie Meinung, geschweige eine sozialistische, revolutionäre Gesinnung gesagt, propagiert oder vertreten werden darf, veranstalten namhafte Badeorte Festspiele für eben diese freiheitlichen Ideen, welche unterdrückt werden. Es ist ein Hohn, der seinesgleichen sucht. Jeder, der gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten, gegen die großen Betrügereien unter staatlicher Duldung und gegen die Vergewaltigung des ausgebeuteten, notleidenden Volkes auftritt, läuft Gefahr, auf lange Zeit hinter Gittern unschädlich gemacht zu werden. Wer aber gar das geknebelte Volk aufruft zur Erhebung, die Despoten und Pfaffen davon zu jagen und die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, wie Thomas Münzer tat, der hat die Henker der Staatsgewalt im Nacken.

Thomas Münzer starb als aufrechter Rebell, als Führer der aufständischen Bauern um 1525. Die Junker und Pfaffen der damaligen Zeit ruhten nicht eher, als bis daß der Kopf dieses Freiheitskämpfers zu ihren Füßen lag. Und dasselbe machen heute noch die Vertreter der herrschenden Gesellschaft, die Schergen des Staates. Es ist ganz klar, dass kein Arbeiter und Fürsorgeempfänger nach Frankenhausen zu den Festspielen und zur Badekur fahren kann. Der Zweck ist zu durchsichtig. Den Hütern von „Ruhe und Ordnung“ ist jedes Mittel recht, wenn sie ein Geschäft damit machen können. In diesem Falle wollen sie mit Thomas Münzer die bankrotte Badewirtschaft ankurbeln. Kurios ist, dass der Appell sich gerade an jene Kreise wendet, deren grimmigster Feind Thomas Münzer war. Für uns ist dieser Missbrauch eine unverschämte Beschmutzung revolutionären Geistes und Schaffens. – Gerade heute, bei den Auseinandersetzungen des spanischen Proletariats mit Pfaffen, Militär und Kapitalisten ist ein Rückblick in die damalige Zeit sehr lohnend. Im Brennpunkt der Ereignisse, wo brennende Klöster erneut Wege der Ausrottung aller Unterdrücker und Tyrannen zeigen, ist das Gedenken Thomas Münzers eine Notwendigkeit, denn besonders den Pfaffen galt sein Kampf! B.

Aus: Der Syndikalist, Nr. 28/1931.

3. November 2016

Wolfgang Haug schreibt in der „Graswurzelrevolution“, Nummer 413, November 2016: „[…] Klein, aber ehrenwert, erscheint dagegen der Versuch von Helge Döhring, eine 30-seitige Broschüre dem Spektakel der EKD ‚500 Jahre Thomas Müntzer!‘ entgegenzustellen […] Deshalb stellt die Broschüre eine kurze Biografie Müntzers und Informationen zu seiner Rolle im Bauernkrieg zusammen und versucht so, die ins historische Abseits geratene Teilgeschichte der Reformation und des aus ihr folgenden Bauernkrieges in die aktuelle Erinnerungskultur zurückzuholen […]“

05. Dezember 2016

Fritz Oerter: Besprechung von „Redner der Revolution. Band VI. Thomas Münzer. Neuer deutscher Verlag, Berlin 1926

Thomas Müntzer

Syfo-Broschüre

„Ich finde, dass es sehr notwendig ist, von Zeit zu Zeit dem deutschen Volke durch Beispiele vor Augen zu halten, dass es nicht immer jenes schafgeduldige Volk war, das sich unter tausend Lasten beugt und sich von weltlichen und geistlichen Führern einpauken lässt, dass es immer so gewesen sei und auch fernerhin so bleiben würde, sondern dass es auch revolutionäre Epochen hinter sich, ja dass sogar vor der sogenannten großen französischen Revolution und selbst vor der englischen schon eine wirkliche deutsche Revolution stattgefunden hat. Die zünftigen Historiker sprechen schamvoll von Bauernkriegen und wollen nicht wahrhaben, dass der deutsche Michel auch einmal aufbrauste und zornbebend sich wider die weltlichen und geistlichen Autoritäten erhob, aber es war doch eine Revolution. Gewiß, die Herren haben sie im Blut erstickt und die revolutionären Bauern sind an ihrer Uneinigkeit und ihrer Gutmütigkeit zugrunde gegangen; dazu sind sie von den jetzt als große Helden gefeierten Reformationshäuptlingen Luther und Melanchton schmählich verraten worden. Wie heute der Sozialismus durch die Parteisozialisten kaputtgemacht wird, so ist damals auch der ursprüngliche revolutionäre Geist der Reformation durch die Führer derselben unterdrückt, ja nicht nur unterdrückt, sondern direkt in reaktionäre Bahnen geleitet worden.

Wer sich über die Vorgänge um das Jahr 1525 herum orientieren will, der findet keine bessere Gelegenheit als die Reden von Thomas Münzer. Die ausführliche Biographie, die von Dr. Paul Friedländer geschrieben, den Reden vorausgeht, gibt ein vortreffliches Bild von jener Zeit und von dem  kühnen Allstedter Rebellen, wenn auch die Darstellung manchmal ein wenig zu einseitig marxistisch-materialistisch erscheint. Gar zu gerne möchte Friedländer den Thomas Münzer zu einem Vorläufer des modernen Kommunismus stempeln und vergißt ganz, dass dieser große Revolutionär aus der religiösen Sphäre herkam und einem christlichen Kommunismus das Wort redete. Dennoch ist die Biographie sehr lesenswert. Die Reden selbst in ihrer fast naiv anmutenden aber doch so markigen Sprache gewähren einen tiefen Einblick in die Verhältnisse und in die blutigen Freiheitskämpfe des unglücklichen Volkes in damaliger Zeit. F.O.“

Aus: Der freie Arbeiter, Nr. 49/1926.

Zitate:

„Die Grundsuppe der Dieberei sind unsere Fürsten und Herren, nehmen alle Creaturen zu ihrem Eigenthum, die Fisch im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihre seyn. Aber den Armen sagen sie: Gott hat geboten, du sollst nicht stehlen. Sie selber schinden und schaben alles, was da lebt; so aber ein Armer sich vergreift am Allergeringsten, muß er henken. Dazu sagt denn der Doctor Lügner [Luther] Amen.“ (Thomas Müntzer)

„Monumentalfigur der deutschen Geschichte“ (Rudolf Rocker)

„Gerade heute [1931] bei den Auseinandersetzungen des spanischen Proletariats mit Pfaffen, Militär und Kapitalisten ist ein Rückblick in die damalige Zeit sehr lohnend. Im Brennpunkt der Ereignisse, wo brennende Klöster erneut Wege der Ausrottung aller Unterdrücker und Tyrannen zeigen, ist das Gedenken Thomas Münzers eine Notwendigkeit, denn besonders den Pfaffen galt sein Kampf!“ (Aus: „Der Syndikalist“, Nr. 28/1931)

„Laßt euer Schwert nicht kalt werden!“ (Thomas Müntzer)