Unterstützt die Anarchistische Bibliothek/Archiv in Wien

Heute wenden wir uns mit einem dringenden Unterstützungsaufruf für die Anarchistische Bibliothek, das Anarchistische Archiv und das dazugehörende Institut für Anarchismusforschung in Wien an die Öffentlichkeit und unsere FreundInnen und GenossInnen. Im Zuge kapitalistischer Vertreibung (Gentrifizierung) muss die Anarchistische Bibliothek und das dazugehörende Archiv bis März 2019 aus den bisherigen Räumlichkeiten heraus. Anstelle des für alle Interessierten zugänglichen Ortes zu anarchistischer Geschichte und Bildung sollen Garagen geschaffen werden. Die Anarchistische Bibliothek/Archiv/Institut Wien hat einen Spendenaufruf veröffentlicht, dessen Ziel die Sammlung einer Summe von 145.000 Euro ist, um entsprechende Räumlichkeiten in Wien zu kaufen und damit einer möglichen weiteren Vertreibung vorzubeugen.

Wir haben die Genossen von Anarchistischer Bibliothek/Archiv und Institut als offene, konstruktive und solidarische Menschen kennen- und schätzen gelernt. Seit Jahren gehen sie mit Umsicht und Herzblut an die Erhaltung, Katalogisierung und Zugänglichmachung anarchistischer Geschichte. Interessierte an der Geschichte der anarchistischen Bewegung finden offene Aufnahme und solidarische Unterstützung. Seit ihrer Gründung ist die Bibliothek Stück für Stück zu einer der umfangreichsten im deutschsprachigen Raum angewachsen. Die nun anstehende Vertreibung darf nicht das Ende sein. Im Interesse unserer Bewegung muss sie erhalten bleiben, weiter wachsen und weiteren Menschen und Forschenden hilfreich zur Seite stehen. Dafür ist nun unser aller Solidarität und Hilfe gefragt. Bitte unterstützt die Anarchistische Bibliothek mit einer Spende auf ihr Konto:

Verein zur Förderung libertärer Bibliotheks- und Archivkultur

IBAN: AT78 1400 0108 1000 0703

BIC: BAWAATWW

Jede Summe hilft!

Euer Institut für Syndikalismusforschung

Hier der Spendenaufruf der Anarchistischen Bibliothek mit allen Informationen:

A-BIB braucht Raum!

Warum wollen wir einen Raum kaufen?

Die Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung Wien gibt es seit 1. Mai 2010. Bisher sind wir in der Lerchenfelderstraße 124–126 untergebracht. Mit Ende März 2019 läuft allerdings unser Mietvertrag aus und es gibt keine Option auf Verlängerung. Das Haus wird generalsaniert und an die Stelle der Bibliothek kommen Garagen. Deshalb sind wir auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Da wir nicht den rasant steigenden Mietpreisen und der Immobilienspekulation in Wien ausgeliefert sein wollen und ein nachhaltiges und langfristiges Projekt anstreben, haben wir uns entschieden, Räumlichkeiten für Bibliothek und Archiv zu kaufen. Dazu benötigen wir Unterstützung.

Wofür brauchen wir Raum?

Mehr denn je braucht unsere Gesellschaft Räume in denen kritisches und freies Denken Platz finden. Wir sind die einzige anarchistischen Bibliothek sowie das zugehörige Archiv in Österreich und stellen dabei einen solchen Ort dar, an dem gedankliche Freiheit auch ihren nötigen Raum zur Verfügung hat. Auch in Zukunft wollen wir an folgenden Projekten weiterarbeiten und diese für alle Menschen begehbar und erlebbar machen:

  • Bibliotheks- und Archivbestand: Die Bibliothek verfügt über einen österreichweit einzigartigen Bestand an Zeitschriften (ca. 850 Zeitschriftentitel) und Büchern (über 2500) über die bewegte libertäre Geschichte und die Theorie der libertären Bewegungen. Auch europaweit gehört sie zu den gut aufgestellten anarchistischen Fachbibliotheken.
  • Digitalisierungsprojekt: Historische Zeitschriften, Broschüren und Bücher werden elektronisch aufbereitet. Die dafür notwendige Infrastruktur steht in der Bibliothek zur Verfügung. Die Digitalisate werden auf Anfrage kostenfrei übermittelt bzw. können auch im Internet abgerufen werden.
  • Forschung: Das Institut für Anarchismusforschung be- und erforscht die Geschichte(n) der anarchistischen Bewegungen und beschäftigt sich mit den Theorien des Anarchismus wie auch mit allgemeinen Fragen aus anarchistischer Perspektive. Es geht darum, verschiedene anarchistische Strömungen, markante Ereignisse und Biographien einzelner Personen sichtbar zu machen. Nicht nur, um die anarchistische Geschichte dem Vergessen zu entreißen, sondern auch, um unseren Blick auf die Gegenwart zu schärfen.
  • Ausstellungen: In den Räumlichkeiten werden temporäre Ausstellungen organisiert, die öffentlich und kostenfrei zugänglich sind. Es gab bereits zwei Ausstellungen zum Spanischen Bürgerkrieg (1936–39), eine Ausstellung zu den Mujeres Libres und eine zu B. Traven.
  • Digitaler Stadtplan: Es wird an einem anarchistischen Stadtplan für Wien und Graz gearbeitet, der wichtige Stationen der libertären Geschichte und somit auch einen wichtigen Teil der Geschichte Wiens und Graz erinnerbar und erlebbar machen soll.
  • Internationale Zusammenarbeit: Die Bibliothek ist Teil des Internationalen Verbands libertärer Forschungs- und Dokumentationszentren (FICEDL). Nicht nur deshalb gibt es zahlreiche Kooperationen mit Bibliotheken, Archiven und Vortragenden aus verschiedensten Ländern.
  • Neben Büchern und Zeitschriften speziell anarchistischer Ausrichtung findet man auch zahlreiche Titel zu anderen emanzipatorischen Bewegungen, seien es Feminismus, Ökologie sowie progressive Kunst.
  • Die Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung ist ein Treffpunkt für alle, die über den ideologischen Tellerrand hinausschauen und Interesse an libertären und alternativen Lebensentwürfen in ihrer Vielfalt haben.
  • Neben der Bibliothek gibt es zahlreiche Infomaterialien zu emanzipatorischen Veranstaltungen und Projekten.
  • Die Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung ist ein unabhängiger Veranstaltungsort, welcher weder profitorientiert noch instrumentalisiert ist. Dies gibt die nötige Unabhängigkeit für Veranstaltungen mit ‚unbequemen‘ Inhalten und für Diskussionen, in denen man sich kein Blatt vor den Mund nehmen muss.
  • Solidarische Lebensweisen sind nicht nur Inhalt der Bücher, sondern auch gelebte Praxis in der Bibliothek. So gibt es bei Veranstaltungen Volxküchen und Getränke auf Basis freiwilliger Spenden. Die Menschen, die die Bibliothek und das Archiv besuchen, bilden gleichzeitig ein Netzwerk, in welchem man einander hilft und unterstützt.
  • Es gibt keinen Chef und keine Angestellten. Die Bibliothek wird auf freiwilliger Basis betrieben, Entscheidungen werden basisdemokratisch gefällt. Die Bibliothek ist somit auch ein Beispiel dafür, wie Strukturen ohne Hierarchien und ökonomische Anreize organisiert werden können.

Was für einen Raum stellen wir uns vor?

Wir suchen zur Zeit intensiv nach geeigneten Räumlichkeiten. Es ist uns wichtig, das Projekt so zu strukturieren, dass es gegen missbräuchliche Verwendung abgesichert ist, d.h. nicht privatisiert werden kann. Bibliothek und Archiv sollen für immer ein öffentlich zugänglicher Raum sein, ein Raum, der dem Gemeinwohl dient und allen Interessierten zur Verfügung steht. Betrieben wird die Bibliothek von einem Kollektiv auf Basis freiwilliger Arbeit. Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Mitmachen kann dabei jede und jeder, solange man dem Grundgedanken offen gegenübersteht, die libertäre Theorie und Praxis der Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis zu bewahren, um für die Zukunft an libertären Utopien für eine bessere Welt zu arbeiten.

  • Struktur: Auf der Basis eines bereits bestehenden gemeinnützigen Vereins soll die Gemeineigentumsstruktur abgesichert werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Absicherung gegen eine (Re-)Privatisierung von Bestand und Räumlichkeiten.
  • Größe: Die Anarchistische Bibliothek ist in den letzten Jahren stark gewachsen – sowohl was den Bestand an Büchern und Zeitschriften als auch was die Anzahl der Nutzer*innen betrifft. Deshalb braucht es ca. 140 m2 Grundfläche.
  • Lage: Die Räumlichkeiten sollen v. a. mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein, um ein breites Publikum anzusprechen.
  • Feuchtigkeit: Die Räumlichkeiten müssen selbstverständlich trocken sein.
  • Ausstattung: Die Möbel und Innenausstattung der jetzigen Räumlichkeiten wurden alle selber gebaut bzw. angeschafft. Wir können sie also in die neuen Räumlichkeiten mitnehmen, womit ein Großteil der Kosten für die Raumausstattung wegfällt.
  • Um die Kosten nicht weiter zu heben, sollen etwaige Umbauarbeiten so weit wie möglich in Eigenregie geleistet werden.

Wie wollen wir den Raum finanzieren?

Einen geeigneten Raum zu kaufen, ist ein ziemlich großes, aber auch einzigartiges Projekt – nicht nur österreichweit. Der Vorteil dabei wäre, dass damit ein Raum geschaffen wird, welcher auch für zukünftige Anarchist*innen als Ort der Bildung und Vernetzung gesichert ist. Die Herausforderung ist die einmalige Aufbringung einer ziemlich hohen Summe: Wir brauchen 150.000 €. Einen Teil davon haben wir schon zusammengespart (rund 40.000 €). Für den Rest brauchen wir noch Unterstützer*innen.

Da wir den Raum innerhalb eines Jahres kaufen wollen, freuen wir uns auch, wenn uns jemand einen Direktkredit gibt, den wir in Raten zurückzahlen werden. Dies gibt uns Zeit für eine längere Kampagne.

Nach dem Ankauf soll sich die Bibliothek weitgehend selbst tragen bzw. sollen die laufenden Betriebskosten durch Mitgliedsbeiträge finanziert werden. Das Projekt soll nachhaltig und nicht abhängig von Einzelpersonen oder staatlichen oder privaten Organisationen sein.

Wir sind überzeugt, dass wir dieses Projekt umsetzen können, wenn Menschen, welche dieses Projekt wichtig finden, einen für sich entbehrlichen Teil dafür hergeben. Noch ist es eine Utopie. Aber zusammen können wir den Raum für die Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung Wien Wirklichkeit werden lassen.

Kleine Auswahl aus dem Bestand des Archivs:

Originale vor 1945:

Autonomie (London, Einzelstücke)

Revolution (Wien, Einzelstücke)

Erkenntnis und Befreiung (einige Jahrgänge)

Die Freie Generation (Einzelstück)

CNT

CNT-Marine

Der Sozialist (Berlin/Zürich, Gustav Landauer)

Der Syndikalist (Berlin)

Neues Leben (Berlin 1897–1903)

Der freie Arbeiter (1904–1933)

Originale nach 1945:

Ca. 900 Zeitschriftentitel aus allen Kontinenten: u. a. aus Frankreich: Le monde Libertaire (fast durchgängig), aus Deutschland: Graswurzelrevolution (komplett). Viele Zeitschrifttitel sind in dem vorhandenen Ausmaß einzigartig in Österreich.

Digitalisate:

Eines unserer Projekte ist das Digitalisieren von anarchistischen Zeitschriften mit dem Schwerpunkt Österreich. Wir haben digitalisiert:

  • Die Zukunft (Wien, 1879–1884; 1884 verboten), die vermutlich erste anarchistische Zeitschrift überhaupt, die man sonst in keiner andern Bibliothek in Europa findet.
  • Die Autonomie (in London erschienen, dann eingeschmuggelt, 1886–1893, komplett), die in keiner österreichischen Bibliothek vorhanden ist. Einer der Herausgeber war der aus Böhmen stammende Josef Peukert.
  • Die anarchistische Bewegung von 1892–1918 (Staatspolizei-Berichte, komplett als einzige Bibliothek in Wien)
  • Die Zukunft (Wien, 1879–1884), von manchen als erste anarchistische Zeitschrift aus Wien bezeichnet.
  • Die Zukunft (Wien, 1893–1896, komplett), von manchen als erste anarchistische Zeitschrift aus Wien bezeichnet.
  • Ohne Staat (Budapest 1897–1899)
  • Die Freie Generation (1906–1908, komplett, durchsuchbar), herausgegeben u. a. von Pierre Ramus.
  • Wohlstand für Alle (1908–1914, komplett, durchsuchbar), herausgegeben von Pierre Ramus.
  • Die Revolution (Wien 1919, komplett), herausgegeben von Karl F. Kocmata.
  • Ver! (Wien 1917–1921, komplett), herausgegeben von Karl F. Kocmata (komplett auch als einzige Bibliothek in Wien).
  • Der Anarchist (Wien 1919), herausgegeben von Heinrich Holz-Reyter.
  • Erkenntnis und Befreiung (Wien und Graz, 1918–1933, teilweise)
  • Besinnung und Aufbruch (Berlin 1929–1932, teilweise)
  • Die soziale Revolution (Barcelona 1936–1937, komplett)

Weitere 180.000 Seiten verschiedenster Zeitschriften und Broschüren, und auch Plakate und Fotos warten auf ihre Aufarbeitung!

Spendenkonto:

Verein zur Förderung libertärer Bibliotheks- und Archivkultur

IBAN: AT78 1400 0108 1000 0703

BIC: BAWAATWW

a-bibliothek.org

info@a-bibliothek.org

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