Neue Broschüren aus dem Archiv Karl Roche!

Rudolf Rocker: Der Kapp-Putsch. Eine Schilderung aus dem Deutschland der Noske-Diktatur, Moers 2010, 58 Seiten, 3,50 Euro

Fritz Linow: „Wer die Macht hat, hat das Recht!“. Gewerkschaftsbewegung und Arbeitsrecht, 54 Seiten, 4.50 Euro

Beide über Syndikat-A zu beziehen

Viele durchaus namhafte Geschichts- und Zeitschriftenprojekte lassen ihren markigen Ankündigungen nicht die entsprechenden Taten folgen. Nur sehr wenige Gruppen und Institutionen halten tatsächlich, was sie versprechen, meistens diejenigen mit syndikalistischem Praxisbezug. Dazu zählt seit einigen Jahren das „Archiv Karl Roche“ in Hamburg. Charakteristisch ist hier die Veröffentlichung von originellen Dokumenten. Zu den neuesten Texten zählen Beiträge von Fritz Linow zum Gewerkschafts- und Arbeitsrecht, eine von Historikern allgemein vernachlässigte Disziplin in der Forschung zum Thema Syndikalismus. In der ansehnlich gestalteten und bei Syndikat A erschienenen DIN A 4 Broschüre „Wer die Macht hat, hat das Recht!“ wird die FAUD-Broschüre aus dem Jahre 1928 mit dem Titel „Gewerkschaftsbewegung und Arbeitsrecht“ wieder abgedruckt nebst der Texte von Fritz Linow zu der Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts, die der FAUD die Tariffähigkeit absprach. Die damaligen Fakten erinnern stark an die heutige Rechtsprechung gegenüber der FAU im Fall des Konfliktes mit dem Berliner Kino „Babylon“ der Jahre 2009/10.

Fundierte historische Kenntnisse gehören zum Grundwerkzeug heutiger Bewegung, um die aktuelle Situation besser einschätzen zu können. Die heutigen Kämpfe haben nämlich auch aus Sicht der Kapitalistenklasse wirksame Traditionen. Die Argumentationsmuster ähneln einander, ebenso die Konsequenzen.

Für eine weitere Broschüre fand das Archiv Karl Roche eigens einen Übersetzer (Erik Alfredsson), der einen verschollenen Text von Rudolf Rocker aus den frühen 1920er Jahren aus dem Schwedischen übersetzte: „Der Kapp-Putsch. Eine Schilderung aus dem Deutschland der Noske-Diktatur“, ebenfalls bei Syndikat-A erschienen, knapp 60 Seiten im DIN A 5 Format. Auch hier gab sich das Archiv sichtlich Mühe. Denn um den Rocker-Text herum wurden ein interessantes Vorwort von Jonnie Schlichting und ein aus wichtigen Quellen schöpfender Textanhang mit einem relativ üppigen Personenglossar und Literaturliste gruppiert. Der Text ansich gibt die von Rocker gewohnte analytische Schärfe nebst eingängiger Sprachgewalt zum besten, welche unbedingt in künftige Forschungen zum Thema berücksichtigt werden sollte. Drauf aufmerksam wurden die Neuherausgeber dank der Onlinerecherche im Archiv der SAC, welches so manchen Schatz birgt. Zwei Broschüren – gute Arbeit!

H.D. (Institut für Syndikalismusforschung) im Februar 2011

Klappentexte

Diese Textsammlung beinhaltet u.a. einen Reprint der Broschüre »Gewerkschaftsbewegung und Arbeitsrecht« (1928) sowie aller nachfolgenden Artikel des anarchosyndikalistischen Arbeitsrechtsexperten Fritz Linow aus der Theorie-Zeitschrift »Die Internationale«, bis zur Aberkennung der Tariffähigkeit der FAUD/AS durch das Reichsarbeitsgericht im Jahre 1930.
Diese grundlegenden und kenntnisreichen Artikel zeigen Entstehung und Kontinuität des bürgerlich-kapitalistischen Arbeitsrechts in Deutschland mehr als deutlich auf. Sie sind ein wichtiges Hilfsmittel für alle, die daran interessiert sind, die heutige Arbeitsrechtssprechung aus einer Klassenperspektive heraus politisch einzuordnen und zu analysieren.
Wichtig ist auch die Herausarbeitung einer sozialistischen Rechtsauffassung durch Fritz Linow, die in einfacher Sprache ihren Klassenstandpunkt verdeutlicht:
„Deshalb muß jeder wahrhafte Sozialist seine Rechtsauffassung der des Bürgertums entgegenstellen und für seine Rechtsanschauung wirken, nicht für die der gegnerischen Klasse, von der ihn Abgründe trennen. Bürgerliches Recht und sozialistisches Recht sind nicht in Übereinstimmung zu bringen. Wird dieser Weg von der Arbeiterschaft beschritten, dann zerfließt die Autorität der kapitalistischen Wirtschaft und des Staates wie Nebel vor der Sonne.“ (Fritz Linow)

Am 13. März 1920 versuchte die deutschnationale Rechte zum ersten Mal, sich an die Macht zu putschen. Dieser – nach einem seiner Anführer „Kapp-Putsch“ genannte – Staatsstreich brach binnen einiger Tage zusammen. Dazu wesentlich beigetragen hatte der bislang größte Generalstreik in der deutschen Geschichte und der bewaffnete Widerstand von Arbeitermilizen an vielen Orten. Nur wenige Tage später jedoch hetzte die soeben gerettete Reichsregierung, die gleichen Putschtruppen gegen das Proletariat u. a. des Ruhrgebietes. Unter der Verantwortung des SPD-Ministers Noske schlugen dessen rechtsextreme Freikorps die „Märzrevolution“ (Titelbild) nieder und veranstalteten ein Blutbad unter den geschlagenen ArbeiterInnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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